Der britische Historiker David Olusoga setzt sich gegen Statuen ein, die Sklavenhändler verherrlichen

Sklavenhändler versenkt

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Die Bilder gingen um die Welt: Im Zuge der globalen »Black-Lives-Matter«-Proteste wegen des Todes von George Floyd in den USA stürzten Demonstrierende am 7. Juni 2020 im südenglischen Bristol die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston und versenkten sie im nahegelegenen Hafen. Vier Teilnehmern der Demonstration, bekannt als »Colston Four«, wurde dar­auf wegen Sachbeschädigung der Prozess gemacht. Am Mittwoch vergangener Woche hat ein Geschworenengericht sie freigesprochen. Dessen Urteil beeinflusst hatte sicherlich auch die Expertise von David Olusoga. Der Geschichtsprofessor an der Universität von Manchester, der sich schwerpunktmäßig mit dem britischen Sklavenhandel beschäftigt, war im Prozess als Gutachter aufgetreten. Er argumentierte, nicht der Sturz der Statue sei kriminell gewesen, sondern die Untätigkeit der Stadtverwaltung, die es trotz jahrelanger Proteste von Bürgerinnen und Bürgern versäumt hatte, die 1895 errichtete Statue zu entfernen, obwohl die Sklavengeschäfte Colstons seit Jahrzehnten bekannt gewesen seien.

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Die Geschworenen folgten Olusogas Argumentation und entschieden, dass die vier Angeklagten zwar Sachbeschädigung begangen hätten, aber die Umstände dies entschuldigten. Olusoga, der häufig in Fernsehdokumentationen zur Geschichte schwarzer Menschen in Großbritannien auftritt, hatte im Gerichtssaal dar­gestellt, dass Colston im späten 17. Jahrhundert in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Royal African Company über 80 000 Menschen aus Afrika in die Karibik verschleppt hatte. 19 000 starben bei der Überfahrt, wie die Frachtprotokolle belegen. Colston habe so die Basis dafür gelegt, dass Bristol in den Jahren nach seinem Tod zum Zentrum des britischen Sklavenhandels aufstieg. Dies sei Olusoga zufolge wohl auch der Grund gewesen, warum ihm zu Ehren eine Statue errichtet wurde – und nicht die von offizieller Seite vorgebrachten philanthropischen Aktivitäten Colstons. Die Statue wurde wieder aus dem Hafenbecken gefischt und wird nun im Stadtmuseum liegend präsentiert – mit Graffiti verziert und einem klaffenden Loch in der Seite.

Der konservativen britischen Regierung, die derzeit plant, das Strafmaß für die Beschädigung von Denkmälern auf bis zu zehn Jahre Haft zu erhöhen, kommt der Freispruch reichlich ungelegen. In Interviews warnen konservative Politiker, dass linke Demonstrierende bald ohne Strafe randalieren dürften.