Das Medium - Über Youtuber, die auf Youtube youtuben

Schwäbischer Treppenkrieg

Das Ziel klang erreichbar: Weiterhin in diesem wunderbaren Zustand der völligen ­Uninformiertheit über Youtuber und Konsorten bleiben. Ignoranz ist jedoch nur ­theoretisch einfach, praktisch muss man ständig aufpassen, nicht hier und dort und bei Twitter und bei Facebook und in irgendeiner Zeitung nicht doch irgendetwas über das Wirken solcher Personen aufzuschnappen. Und deswegen kann es in dieser ­Kolumne leider nicht darum gehen, was derzeit Interessantes auf der Welt passiert ist, denn, so ist zu hören, irgendein ­Youtuber hat irgendwas zum Thema Milch geyoutubet und damit unfassbar viele Menschen in große Aufregung versetzt und nun kommt es darauf an, keinesfalls Einzelheiten über diesen Fall zu erfahren. Stattdessen könnte ich erzählen, wie ich mal drei Wochen lang in Schwaben gewohnt und einen Kehrwochenkleinkrieg gewonnen habe.

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Nach nur wenigen Tagen hing nämlich plötzlich an der Wohnungstür ein »Kehrwoche«-Schild, was bedeutete, dass ich die Treppe putzen solle, wie mir erklärt wurde. Was ich auch tat, jedenfalls dieses eine Mal. Kurz darauf hing das blöde Schild aber schon wieder an der Tür, weil nämlich, so die Erläuterung, die andere Wohnung auf der Etage derzeit leerstehe. Was ja aber nicht mein Problem war. Soll halt der Vermieter putzen. Also wurde das Schild an die Leerstands-Wohnungstür gehängt, wo es ungefähr einen halben Tag blieb, bis es wieder an meiner hing, woraufhin es dann wieder zurückgehängt – und so ging das hin und her und niemand machte die Treppe sauber, was aber auch nicht schlimm war, denn es war ja auch weiter keiner da, der sie schmutzig machte. Nach drei Wochen ging es zurück nach Berlin, zusammen übrigens mit dem Kehrwocheschild, das nach der ganzen Hektik einfach mal ein bisschen Ruhe verdient hatte.