Die Verkaufsverhandlungen über die Rote Flora in Hamburg stocken

Ein Grundstück und ein Haufen Schrott

Ein Hamburger Immobilienhändler möchte das Gebäude verkaufen, in dem sich das autonome Zentrum Rote Flora befindet. Doch er tut sich schwer damit, den Preis in die Höhe zu treiben.

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Zu einem Verkaufsgeschäft gehören bekanntlich zwei Parteien. In Hamburg scheint der Immobilienhändler Klausmartin Kretschmer diese Spielregel brechen zu wollen. Er ist der Eigentümer des Gebäudes, in dem sich das autonome Zentrum Rote Flora befindet. In der vorigen Woche sagte er zum wiederholten Mal ein Verkaufsgespräch mit dem Altonaer Bezirksamtsleiter und einem Vertreter der Finanzbehörde ab. Die Begründung: Die Stadt habe die Vertraulichkeit nicht gewahrt, da Ort und Zeit des Gesprächs öffentlich gemacht worden seien. »Der Vorwurf ist absurd. Wir haben nicht das geringste Detail an die Öffentlichkeit gegeben«, sagt Daniel Stricker, der Pressesprecher der Finanzbehörde.
Es dürfte Kretschmer aber nicht um angebliche Indiskretionen gegangen sein. Er versucht schon seit geraumer Zeit, die Stadt hinzuhalten, um so den Verkaufspreis in die Höhe zu treiben. Im März 2011 läuft die Sperrfrist für den Verkauf aus. Bis dahin hat die Stadt ein Vorkaufsrecht für die Immobilie. Vor etwa zehn Jahren hat sie sie für 370 000 Mark an Kretschmer verkauft. Wie die Jungle World aus Senatskreisen erfuhr, ist die Stadt nicht bereit, bei einem Rückkauf wesentlich mehr zu bezahlen. Lediglich die Innenbehörde befürwortet ein höheres Angebot an Kretschmer, um Krawalle nach einem möglichen Verkauf an einen anderen Investor zu vermeiden.

Kretschmer selbst geht von einem Wert des Komplexes in Höhe von acht bis zehn Millionen Euro aus. Er legte im Gespräch mit der Welt noch nach: »Es gibt Interessenten, die bieten mir den doppelten Preis.« Angeblich hätten private Investoren den »Markenwert« der Roten Flora entdeckt. Gerade Unternehmen aus der Sicherheitsbranche seien interessiert, aber auch als Kulisse für Filme und Computerspiele böte sich die Immobilie an. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion in Altona, Sven Hielscher, kann diese Geschichten nicht mehr hören. »Herr Kretschmer ist für mich ein fast genialer Hasardeur, der eine Märchenstunde abhält«, sagt Hielscher der Jungle World. Es gehe dem Eigentümer nur darum, die Verkaufssumme zu steigern. Derzeit sei so keine Einigung möglich. Auf das Vorgehen Kretschmers will die Stadt sich nicht mehr einlassen. »Für uns besteht aktuell kein Gesprächs- oder Handlungsbedarf«, sagt Daniel Stricker.

Die Besetzer der Roten Flora haben bereits im Juni angekündigt, dass sie sich von einem Eigentümerwechsel nicht in ihrer Politik beeinflussen lassen würden. Die Rote Flora bleibe weiterhin besetzt und der »lebendige Ausdruck unseres Aufbegehrens gegen die Verhältnisse«. Ein Senatsmitarbeiter vermutet: »Randale am 1. Mai und auf dem Schanzenfest wird es auch bei einem Eigentümer namens Stadt geben.« Und überhaupt hat die Stadt eine sehr bequeme Verhandlungsposition. Zum einen wird sich ein auf Kapitalmehrung erpichter Investor wohl kaum auf einen jahrelangen Kampf um die Rote Flora einlassen. Zum anderen muss für eine anderweitige Nutzung der Immobilie der Bebauungsplan geändert werden. Eine Änderung durch den Bezirk ist jedoch höchst unwahrscheinlich. Immerhin dürfte Hielschers Einschätzung Kretschmer ein klein wenig Hoffnung machen, was den Preis angeht. »Es handelt sich um ein kleines Grundstück mit einem Wert von ungefähr einer Million Euro und einer Schrott­immobilie«, sagt der CDU-Politiker. Angeblich hat eine interne Arbeitsgruppe der schwarz-grünen Koalition einen Kaufpreis von etwa einer Million Euro ermittelt, die Summe wird auch immer wieder in der Presse erwähnt, auch wenn die Finanzbehörde konkrete Angaben nicht bestätigt. Wenn die Innenbehörde noch ein gutes Wort einlegt, könnte Kretschmer die Rote Flora nach zehn Jahren doch noch mit einem nicht allzu geringen Gewinn an die Stadt verkaufen. Dazu müsste er allerdings zu den Gesprächen erscheinen.