Sex statt Stress

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Umfassende Einblicke ins Sexualleben der Bürger möchte er. Sein Schwerpunkt liegt auf positiven sexuellen Erfahrungen und der dabei empfundenen Freude. Die nächsten drei Jahre soll es in einer vom schwedischen Gesundheitsminister Gabriel Wikström in Auftrag gegebenen Studie um nichts anderes gehen. Geschlechtskrankheiten, ungewollte Schwangerschaften oder Vergewaltigungen sollen darin nur am Rande eine Rolle spielen. Der jährlichen Studie Kådiskollen (Kondomprotokolle) zufolge ist ein Drittel der Schweden nicht zufrieden mit ihrem Sexualleben. Schwindet die Lust am körperlichen Vergnügen tatsächlich und sind Stress, Arbeitsbedingungen und Tabuisierung hierbei relevante Faktoren? Sofern das der Fall sei, bestehe politischer Handlungsbedarf, so der besorgte Sozialdemokrat. In seinem Fall dürfte es zumindest genug potentielle Sexualpartner geben. Der 31jährige gilt als äußerst attraktiv. Im Herbst 2014 begeisterte ein Twitterfoto in Windeseile Tausende von türkischen Fans. Über 22 000 Personen verfolgen inzwischen seine Twitteraktivitäten. Etliche schrieben ihm romantische Nachrichten.
Wikström geht davon aus, dass Sex einen großen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat. Deshalb ermutigt er die Bürger dazu. Lauter Sex sei besser als gar keiner, antwortete er einem Schweden, der sich über eine entsprechende abend­liche Störung durch die Nachbarn beklagte. Bislang ist unbekannt, mit welcher Methodik sich der Staat dem Intimleben der Bürger nähern möchte. Den Umgang der Gesellschaft mit Sexualität nimmt Wikström als widersprüchlich wahr: »Während sich in unserer Gesellschaft scheinbar alles um Sex dreht – von der Werbung über die sozialen Medien bis hin zum täglichen Leben –, ist das Thema nach wie vor mit Scham und Tabus besetzt.« Die Studie soll dabei helfen, mittels genauerem Wissen über sexuelle Gewohnheiten die Politik neu zu justieren. Denn sexuelle und reproduktive Gesundheit sind für den Minister ein wichtiges Thema. Sicher ist bereits, dass Transgender, die Opfer einer Zwangssterilisation wurden, eine finanzielle Entschädigung erhalten sollen. Bis 2013 musste man sich einer Sterilisation unterziehen, wenn man staatlich anerkannt sein Geschlecht ­anpassen wollte. In etwa zwei Jahren soll die Entschädigungsregelung in Kraft treten. Die Sexstudie soll auch eine politische Debatte anregen. Eines möchte Wikström auslösen: den Abbau von Berührungsängsten.