Fidels Tiere

Von
Anzeige

Nachdem Sie nun in den vergangenen Wochen erfahren haben, dass Fidel Castro auf Kuba den Sozialismus erschaffen/verpfuscht und den Himmel/die Hölle auf Erden errichtet hat, ist es nun an der Zeit, sich über die kubanische Fauna zu unterhalten, die selbstverständlich ebenso sozialistisch geprägt ist wie der Rum, die Zigarren und die Haftanstalten für die politischen Gefangenen. Wussten Sie zum Beispiel, dass auf Kuba einst eine Superkuh lebte, die 109 Liter Milch am Tag gab? Nach ihrem Tod versuchte man, das Tier zu klonen – vergeblich. Die emsigen kubanischen Genforscher hatten dann eine andere geniale Idee: Wenn jeder eine kleine Kuh zu Hause hätte, gäbe es keinen Mangel mehr. Doch auch die Entwicklung der Mini-Volkskuh fürs Wohnzimmer scheiterte.
Dennoch leben nicht nur Leguane und Hühner auf der tropischen Insel, sondern auch Zebras, Antilopen, Rothirsche, Büffel, Wildschweine und Strauße. Dies ist nicht etwa das Ergebnis einer wundersamen sozialistischen Evolution, sondern der Revolution, ja des Maximo Leaders persönliches Werk. Er war es, der in den sechziger Jahren diese Tiere auf der kleinen Halbinsel Cayo Saetía auswildern ließ, damit Staatsgäste aus sozialistischen Ländern der Großwildjagd nachgehen konnten.
Das war nötig, denn die Jagdleidenschaft war unter Fidels Genossen sehr ausgeprägt. Schon Lenin liebte die Jagd, auch Leonid Breschnew. Nicolae Ceaușescu ließ sich bei der Bärenjagd gerne diskret von versteckten Meisterschützen unterstützen, so dass er als erfolgreicher Jäger galt. In der DDR bliesen die beiden Erichs – Mielke und Honecker – zum Halali. Dafür hatten sie sich riesige »Staatsjagdgebiete« reservieren lassen, auf denen sie selbst jagten und auf die sie Staatsgäste einluden, etwa Franz Josef Strauß. Noch einen Tag vor dem Mauerfall fuhr Honecker entspannt in den Wald. Sechs Stück Wild soll er erlegt haben.
Tito hatte ähnlich wie Castro eine Insel zum Jagdrevier aufgemotzt und dort Wisente, Gemsen und ­Bären ausgesetzt. Unter anderem Nikita Chruschtschow, Władysław Gomułka und Gamal Abdel Nasser waren dort gerngesehene Gäste. Doch weil Tito bekanntlich den Dritten Weg ging, wusste er auch, wie man Geschäfte mit dem Klassenfeind macht. Jugos­lawien warb auf internationalen Jagdmessen – und Zigtausende westliche Jäger, auch aus der BRD, kamen und zahlten Millionen an Devisen, um im Sozialismus hemmungslos auf Bären, Rehe und Rothirsche zu schießen. Die Preise hatten sich gewaschen. 1964 kostete der Abschuss eines Hirschs umgerechnet 15 000 Euro. Auch deutsche Kapitalisten wie der Konzernchef Helmut Horten erlegten in Jugoslawien fleißig Braunbären.
Hier eröffnet sich eine Perspektive für das post­fidele Kuba. Andererseits: Wir wollen es mit dem ­Sozialismus auch nicht übertreiben!