Krauts und Rüben – der letzte linke Kleingärtner, Teil 19. Mit großem Gewinnspiel!

Der schönste linke Kleingarten

Kolumne Von

Es hat gedauert, aber jetzt ist es so weit. Der Großwettbewerb für Kleingärtner beginnt! Jeder, der ein Foto von seinem Garten mit dem Betreff »Der schönste linke Kleingarten« an inland@jungle.world mailt, nimmt teil. Die Besitzer der drei fotogensten Kleingärten gewinnen jeweils ein Vierteljahresabo der Jungle World. Wie wäre es mit Sonntag, dem 23. April, als Einsendeschluss? Besser nicht. Die Redaktion arbeitet sonntags ja gar nicht. Und am Montag muss sie erst langsam in Schwung kommen. Der Einsendeschluss verschiebt sich also auf Dienstagmorgen, 25. April, 10 Uhr. Obwohl, das ist zu früh, machen wir also 12 Uhr draus. Die Fotos der Gewinner werden anschließend in der Zeitung veröffentlicht. Damit es nicht zu schwer wird, können Fotos aus dem Garten, von Kübeln auf dem Balkon oder von diskreten Pflanzungen draußen im Maisfeld eingereicht werden. Oder vom Nachbarsgarten. Das merkt hier ja eh keiner.

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Die Kolumnenbetreuer in der Redaktion haben zwar etwas komisch reagiert, als ich mit dieser Idee kam. Aber sie haben sich erweichen lassen und Geschenke locker gemacht. Ganz so schnörkellos war es selbstverständlich nicht. Erst musste meine grandiose Idee offenbar wochenlang in den Gremien besprochen werden. Wegen Kollektiv, Team und so. Da werde ich als Kleingärtner immer nervös. Ich brauche kein Kollektiv. Die Entscheidungen, also das Schwierigste in jedem Prozess, fälle ich alleine. Das ist bei uns Kleingärtnern generell so. Wie auch immer die Entscheidung in der Redaktion zustande kam, sie steht. Und sie ist gut für uns Kleingärtner, da dies unseren Zusammenhalt stärkt. Ich habe als Lobbyist der Kleingärtner etwas für meine Klientel herausgeschlagen. Dies stärkt auch meine Position. Schließlich arbeite ich am Aufbau der VKP, der Vereinigten Kleingärtnerpartei.

Insgeheim bin ich sehr stolz, der Redaktion Geschenke abgeluchst zu haben, die für anderes vorgesehen waren. An uns Kleingärtner denkt erstmal niemand. Wir sind allein. Ich weiß nicht, ob es mein Kleingärtnercharme war oder das Gackern meiner Hühner im Hintergrund während der Telefonate. Da werden Städter schnell sentimental – oh Tiere, oh Hühner, oh wie schön, oh schau mal, die legen ja Eier. Vielleicht habe ich aber auch nur so lange gequengelt, dass die Betreuer mich loswerden wollten. Das funktioniert zwischen Kleinkindern und Eltern ähnlich. Nicht alles im Leben ist eine Herzensangelegenheit.

Wer kann mitmachen beim Wettbewerb? Jeder Leser und jede Leserin der Jungle World. Also auch diejenigen, die die Zeitung nur vom Hörensagen kennen und von anderen darauf aufmerksam gemacht werden: »Guck mal, das wäre doch etwas für dich. Da gibt es etwas umsonst, wenn du nur ein Foto von deinem Garten einsendest.« Das Wort »umsonst« elektrisiert uns Kleingärtner. Für »umsonst« macht der Kleingärtner Kilometer. Was ist aber nun mit denen, die schon ein Abo der Jungle World haben? Findige Kleingärtner haben auch dafür eine Lösung zur Hand. Man suche sich einen anderen Kleingärtner, der irgendwas im Überfluss hat – vielleicht Eier, vielleicht Salat, vielleicht Frühkartoffeln –, und tausche dann das Abo gegen die Früchte seiner Hände Arbeit. Schon gibt es einen doppelten Zuwachs an Glück. Man könnte aber auch Börse spielen und mittels Anteilsscheinen einem Kleingärtnerfreund die Früchte seiner Hände Arbeit abluchsen, die erst im Sommer oder im Herbst reif werden. Schuldscheine auf Grünkohl wären mein Tipp, ein hervorragendes Wintergemüse, oder auf ein, zwei, drei Hokaido-Kürbisse, die sich locker vier Monate und länger lagern lassen, oder ganz traditionell: ein Sack Kartoffeln. Auch fadenlose Stangenbohnen sind eine Delikatesse.

Und wer ist die Jury, wer entscheidet über das schönste Foto vom schönsten Garten? Ganz unkompliziert und ohne viel Bürokratie: Die Jury bin ich. Der letzte linke Kleingärtner. Ich bin ja sozusagen das individuelle Kollektiv, der ideelle Gesamtkleingärtner. Das ist gut so, denn eine Jury mit mehreren Personen bringt nur Ärger. Als Kleingärtner muss ich auch alleine arbeiten, obwohl ich manchmal froh wäre, »wir« würden meinen Garten bearbeiten auf meine Anweisungen hin. Jedenfalls werde ich aus den eingereichten Fotos die drei schönsten auswählen. Lässt sich da etwas machen bei der Reihenfolge, beim Ranking? Eigentlich nicht, aber da wir alle nur Menschen und Kleingärtner somit immer für Zuwendungen empfänglich sind, warte ich mal ab, was mir angeboten wird. Nur Bestechung darf nicht sein, das würde die Imagewerte der Jungle World rapide purzeln lassen. Image, Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit sind heutzutage wichtig. Inhalte weniger.

Also, Kleingärtner der Jungle World, vereinigt euch für den Fotowettbewerb um den schönsten Kleingarten. Nach uns kommen dann die Proletarier mit ihrem Vereinigungsgedöns. Aber jetzt geht es mal um uns. Um uns Kleingärtner.

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