Der iranischen Journalistin Neda Amin droht wegen ihrer Arbeit für eine israelische Zeitung im Iran die Todesstrafe

Schutz beim Feind

Porträt Von Nicole Tomasek
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porträtWährend ihr in ihrem Herkunftsland Folter und Tod drohen, hat sich der »Erzfeind« dieses Landes dazu bereit erklärt, sie einreisen zu lassen, um sie zu schützen. Neda Amin ist eine iranische Bloggerin und Journalistin. Nachdem sie im Iran ein Buch über Frauenrechte geschrieben hatte, das verboten wurde, erhielt sie Drohungen und musste außer Landes fliehen. 2014 floh sie in die Türkei, wo sie 2015 von den UN als Flüchtling anerkannt wurde. Dort schrieb sie unter anderem für Blogs und als freie Mitarbeiterin für die persischsprachige Onlineausgabe der Zeitung Times of Israel. Die Zusammenarbeit mit einem israelischen Medium ist offenbar nicht nur für das iranische Mullah-Regime ein Problem, in der Türkei war sie ebenfalls Verfolgung und Drohungen ausgesetzt. Sowohl iranische als auch türkische Geheimdienstmitarbeiter sollen sie mehrfach aufgesucht und bedroht haben, in den Verhören sei es um ihre Arbeit für die israelische Zeitung gegangen. Ihr wurde Spionage für Israel unterstellt – worauf im Iran die Todesstrafe steht. Im Juli erhielt sie schließlich die Aufforderung, die Türkei innerhalb von 30 Tagen zu verlassen, andernfalls werde sie in den Iran abgeschoben. Als ein Grund sei in dem Abschiebebescheid ihre Arbeit für ein israelisches Medium genannt worden, wie sie in einem Brief an die Menschenrechtsorganisation UN Watch schreibt, in dem sie um Unterstützung für ihre Aufnahme in einem anderen Land bittet. Wie sie betont, sei es in ihrer Arbeit für Times of Israel nie um die türkische Politik und Regierung gegangen.

Wie die Zeitung Bild berichtete, war der die Abschiebung für den 5. August angesetzt. Der Jerusalemer und der Israelische Journalistenverband baten in Amins Namen um Asyl für sie in Israel. Am Sonntag gab das israelische Innenministerium bekannt, dass die Journalistin mit einem Touristenvisum einreisen dürfe, obwohl iranische Staatsbürger ansonsten grundsätzlich nicht nach Israel einreisen können. 1979, nach der Machtübernahme der Mullahs, brach das iranische Regime alle ­diplomatischen Beziehungen zu Israel ab, das es nicht einmal als Staat anerkennt. Für das Regime im Iran – und offenbar auch für das in der Türkei – ist Medien­berichterstattung eben nicht von staatlicher Propaganda zu trennen. Die Arbeit für ein ausländisches Medium ist dann grundsätzlich verdächtig – erst recht, wenn es sich um eines des »zionistischen Feindes« handelt.