Edi Rama, der albanische Ministerpräsidenten

Das Multitalent

Porträt Von Peter Korig
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Albaniens Ministerpräsident Edi Rama liebt es, sich als Künstler und Freigeist zu präsentieren. Gern tritt er in lässiger Kleidung auf und weist darauf hin, dass sein Büro auch sein Atelier sei. Der 1964 geborene Sohn eines Staatskünstlers des sozialistischen Albanien schlug selbst eine künstlerische Karriere ein, spielte aber auch in der Basketball-Nationalmannschaft.

Als Dozent an der Kunsthochschule beteiligte er sich an den Protesten der Studierenden, die 1990 das Ende der Diktatur einleiteten. Allerdings geriet er bald in Konflikt mit Sali Berisha. Der Kardiologe, der auch den albanischen Diktator Enver Hoxha behandelt hatte, hatte sich an die Spitze der Proteste gesetzt und die Demokratische Partei Albaniens (PD) gegründet. Während Berisha 1992 Präsident Albaniens wurde, ging Rama nach Frankreich, wo er sich als Künstler betätigte. Nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus entwickelte sich kein reguläres Bankwesen. Als Geldanlage dienten nach dem Schneeballprinzip funktionierende sogenannte Pyramidenfonds. Diese brachen 1997 zusammen, was den Verlust der Ersparnisse weiter Teile der Bevölkerung und bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen zur Folge hatte. Die Regierung unter Berisha, die in das System der Pyramidenfonds involviert war, war gründlich diskreditiert. Dies eröffnete der aus der Partei der Arbeit Albaniens hervorgegangenen Sozialistischen Partei (PS) die Rückkehr an die Macht.

Rama kehrte 1998 aus Frankreich zurück und wurde in der PS-Regierung Minister für Kultur, Jugend und Sport. Von 2000 bis 2011 war er Bürgermeister von Tirana. International bekannt wurde er, weil er Wohnblöcke bunt anmalen ließ, was ihm ein Image als kreativer Modernisierer verschaffte. 2005 übernahm er den Vorsitz der PS. Berisha und er bekämpften sich über Jahre erbittert als Exponenten der verfeindeten politischen Lager. Der Wahlsieg der PS 2013 ebnete Rama schließlich den Weg ins Amt des Ministerpräsidenten. Innerparteiliche Kritiker stellte er erfolgreich kalt. Wie zu seiner Zeit als Bürgermeister Tiranas tritt er als Modernisierer auf, wobei ein Hang zu autoritären Entscheidungen nicht zu übersehen ist. Außenpolitisch strebt er den EU-Beitritt Albaniens an, bemüht sich aber auch um ein gutes Verhältnis zur Türkei und pflegt enge persönliche Kontakte zu deren Präsident Recep Tayyip Erdoğan.