Für Studierende wird es immer schwieriger, in Berlin ein WG-Zimmer zu finden

Auf Wohnungssuche in Berlin

Anfang Oktober hat das Wintersemester begonnen. Doch noch immer haben viele Studierende in Berlin keine feste Bleibe.

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»Ein Drittel der Studenten in meinem Hörsaal ist auf der Suche nach einem WG-Zimmer.« Nein, dieser Satz ist nicht in einer Stadt wie München oder Stuttgart gefallen, die bundesweit für ihre Wohnungsnot bekannt sind. Es geht um Berlin. Und die Person, die die Feststellung äußert, hat sich nicht auf eine coole WG im hippen Kreuzberg, Friedrichshain oder Prenzlauer Berg versteift. Samuel sucht einfach nur ein bezahlbares Zimmer in einer Wohnung mit Mitbewohnern, mit denen er sich halbwegs versteht. Die Lage ist nicht das wichtigste Kriterium, die Wohnung sollte nur nicht zu weit von seiner Universität entfernt sein. Aber selbst diesen Anspruch hat er schon aufgegeben – er sucht mittlerweile einfach überall. »Hauptsache Berlin«, sagt er. Währenddessen titeln Medien: »Studenten in akuter Wohnungsnot«, »Kreative Lösungen sind gefragt« oder »Nicht nur in Berlin werden WG-Zimmer immer teurer«.

Der Wohnungsmarkt in Berlin ist extrem angespannt. Einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge haben sich Studentenwohnungen hier im Vergleich zu 2010 um mehr als 50 Prozent verteuert. Auch WG-Zimmer sind längst nicht mehr günstig. So zahlen Studierende in Berlin Untersuchungen des Forschungsinstituts Empirica zufolge durchschnittlich 410 Euro für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft.

Samuel ist 20, kommt aus einem baden-württembergischen Dorf und ist vor einem Monat nach Berlin gezogen. Obwohl, richtig in die Hauptstadt gezogen ist er nicht. Alles, was er hat, passt in eine Reise- und eine Umhängetasche. Vielleicht war er zu naiv, intensiv informiert hatte er sich vorher nicht. Er hatte zwar ein bisschen gesucht, hätte aber auch nicht zu WG-Castings nach Berlin kommen können. Zu weit der Weg, zu groß das Vertrauen – »ich finde schon was«. Dass der Wohnungsmarkt so überlaufen ist, damit hatte er nicht gerechnet.

Doch Samuel, der an der FU seit diesem Semester Informatik studiert, wirkt überhaupt nicht niedergeschlagen. »Heute ist mein Glückstag«, sagt er. Der Grund für seine Euphorie ist klein, aber für ihn unheimlich wichtig. Eine Freundin hat ein Zimmer frei – für zwei Wochen. Für Samuel bedeutet das in den nächsten 14 Tagen: Privatsphäre, Ruhe, einen Rückzugsort haben.

Das alles hatte er zuvor nicht. Zwei Wochen lang wohnte er in einem Mehrbettzimmer eines Hostels, für mehr als 300 Euro im Monat. Mit ihm im Zimmer: Touristen, Flüchtlinge, aber auch viele neu nach Berlin gezogene Studierende. Die Umhängetasche mit seinem Laptop konnte Samuel nicht im Zimmer lassen, er trug sie immer bei sich. Sein Wohnungsbudget ist nicht gerade groß – nicht untypisch für Studierende ohne reiche Eltern: 300 bis 400 Euro im Monat. Mehr darf die Unterkunft nicht kosten.

Der Wohnungsmarkt in Berlin ist extrem angespannt. Einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge haben sich Studentenwohnungen hier im Vergleich zu 2010 um mehr als 50 Prozent verteuert. Auch WG-Zimmer sind längst nicht mehr günstig. So zahlen Studierende in Berlin Untersuchungen des Forschungsinstituts Empirica zufolge durchschnittlich 410 Euro für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft.

Was nach dem Zimmer bei seiner Freundin kommt, weiß Samuel noch nicht. »Vielleicht gehe ich wieder zurück ins Hostel, aber auf Dauer ist das nichts«, sagt er. Es ist nicht so, dass er nicht intensiv gesucht hätte. Auf zehn bis 20 Angebote auf der Plattform »WG-gesucht« bewarb er sich, jeden Tag, zwei Wochen lang. Das Ergebnis war ernüchternd. Die einzigen, die ihn einluden, waren Studentenverbindungen. Er hat einige sogar besucht, aber es war nichts für ihn. War er zu naiv? Eigentlich ist Berlin bundesweit nicht gerade für Wohnungsknappheit und hohe Mieten bekannt – noch nicht.

Samuel hat es inzwischen aufgegeben, nach einem Zimmer in einer WG zu suchen. Er will seine eigene gründen. Zusammen mit zwei Leuten, die er über die WG-Suche kennenlernte. Eine Fünf- bis Sechs-Zimmer-Wohnung suchen sie, da sei die Nachfrage nicht so groß. Die restlichen Zimmer ihrer WG wollen die drei vermieten – auf »WG-gesucht«. Sie rechnen mit vielen Anfragen.