Imprint - Abdruck aus dem Roman »Sandokan. Eine Camorra-Geschichte«

Sandokan. Eine Camorra-Geschichte

Der Roman erzählt vom Aufstieg und Fall eines Caln-Anführers aus der Sicht eines unbeteiligten Jugendlichen.
Imprint Von

Der italienische Schriftsteller Nanni Balestrini beschäftigte sich in einer Reihe von Romanen mit der italienischen Linken der Nachkriegszeit. In seine Romantrilogie »Die große Revolte« beschreibt er unter anderem die Arbeiterkämpfe beim Autokonzern Fiat und die soziale Bewegung »Autonomia«.

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Balestrini war dabei durchaus parteiisch: Schnell handelte er sich den Beinamen »Romancier des Operaismus« ein. Der Operaismus, eine neomarxistische Strömung und Bewegung in Italien, die die sechziger und siebziger Jahre entscheidend prägte, versuchte mit alltäglichen direkten Aktionen wie Krankmachen oder Besetzungen den Arbeitsprozess der Fabriken zu sabotieren, aber auch im städtischen Raum Aneignungsprozesse zu initiieren. Balestrini musste 1979 über Paris nach Deutschland fliehen, weil ihm die Mitgliedschaft in einer Guerillagruppe vorge­wor­fen wurde.

Sein Roman »Sandokan. Eine Camorra-Geschichte«, der 2004 erstveröffentlicht wurde, hat die Mafiaclans in und um Neapel zum Thema und beschreibt den Aufstieg und Fall des Anführers Sandokan aus der Sicht eines unbeteiligten Jugendlichen.

Ein Text ohne Punkt und Komma – Balestrini verzichtete komplett auf Interpunktion, ein Stilmittel, das er auch in anderen Büchern anwendete. Die fehlenden Satzzeichen verleihen der Textmontage ihren atemlosen Ton. Einzelne Passagen stammen aus Artikeln der Lokalpresse und sind in den Text eingebaut. Balestrinis Literatur kann man als avantgardistischen Realismus bezeichnen: Sie schwankt zwischen Reportage, Experiment und Prosa.

 

Dieser Text erscheint nur in der Print- und in der PDF-Ausgabe 11/18