Kritische Astrologie - Die Sammlung und ihre Macht über unser Leben

Aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen …

Kolumne Von

Nun ist sie endlich aufgekommen und aufgestanden, die linke Sammlungsbewegung, die Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine seit Jahren im Munde führen. Sie heißt »Aufstehen« und ist in etwa so wie die spanische Podemos – nur ohne Intellektuelle; wie die französische En marche – nur ohne Sex; und wie die Partei Einiges Russland – nur ohne Geld.

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Die Idee dabei ist die der Sammlung: All die Leute in der Linkspartei, deren hochinteressante Ansichten zu Amerikanern, Juden, Zinsknechtschaft, Gift im Trinkwasser und 9/11 bislang verspottet oder übergangen wurden, kriegen wieder ein öffent­liches Forum; die anderen Linksparteiler können dabei gesammelt ­lächeln und gemeinsam tüchtig mit den Zähnen knirschen. Falls sich dieser Bewegung dann auch Leute anschließen, denen die AfD zu neoliberal oder zu akademisch vorkommt, werden sie bei »Aufstehen« wahrscheinlich herzlich willkommen geheißen.

Der Trend zu Sammlungsbewegungen innerhalb der Linkspartei wird weitergehen: Die Berliner Bewegung »Abledern«, die der Verherrlichung des wunderbar weltmännischen Kultursenators Klaus Lederer dienen wird, steht angeblich schon in den Startlöchern; »Die Dehmjenigen« in Nordrhein-Westfalen folgt dem wabernden Kurs des beliebten Musikclowns Diether Dehm und seinen faszinierenden Ideen zum Thema #metwo. Die im Landesverband Rheinland-Pfalz ansässige, stark katholisch orientierte »Naheliter-­Gemeinde« betont die Gemeinsamkeiten, die man mit der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles hat, besonders bei den Themen Flüchtlingsvergrämung. Die Mikro-Sammlungsbewegung »ernstMachen« hingegen will den früh verblühten Linksparteichef Klaus Ernst wieder an hervorgehobener Stelle sehen, während die »Kippingdales« die Verehrung der ak­tuellen Vorsitzenden mit erotischen Bühnenshows kombinieren. Und Kipping selber? Sie sieht den Trend zur Sammlung positiv: »Jedes Mitglied der Linkspartei ist aus ganz eigenen, privaten Gründen zur Partei gekommen und verdient daher eine eigene Sammlungsbewegung, in der sich exakt diese Gründe wiederfinden.« Die Partei wird demnach erst dann zur Ruhe finden, wenn jedes einzelne Mitglied seine eigene Sammlungsbewegung hat.