Porträt - Saïd Bouteflika

Der kleine Bruder

Nun hat es in Algerien auch Saïd Bouteflika erwischt. Der 1958 geborene Bruder des Anfang April zurückgetretenen ehemaligen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika ist am Samstag zusammen mit zwei hohen ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern verhaftet worden. Sie sol­len wegen »Angriffs auf die Autorität der Armee« und »Verschwörung gegen die Staatsautorität« in Blida vor ein Militärgericht gestellt werden. Ausschlaggebend hierfür war der Generalstabschef der Armee, Ahmed Gaïd Salah. In der Nacht von Freitag auf Samstag vergangener Woche hatten Verhandlungen innerhalb der Armeeführung stattgefunden. Gaïd Salah, der maßgeblich den Kurs der Übergangsphase seit Abdelaziz Bouteflikas Rücktritt bestimmt, konnte sich dabei gegen einige andere Armeeführer durchsetzen. Letztere wollten keinen öffentlichen Prozess, um nicht Gefahr zu laufen, dass schmutzige Details an die Öffentlichkeit dringen. Nun ist ein Schauprozess zu erwarten.

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Zusammen mit Saïd Bouteflika waren die beiden Generäle Mohammed Mediène, der 2015 geschasste, einstmals mächtige Geheimdienstleiter, und Athmane Tar­tag, der ehemalige Geheimdienstkoordinator, festgenommen worden. Gaïd Salah will durch einen öffentlichen Prozess größere Zustimmung der Bevölkerung zu seiner Führung erreichen. Ferner verübelt er es den drei verhafteten Vertretern des Regimes Bouteflikas, Übergangsszenarien ersonnen zu haben, in denen nicht er die Hauptrolle spielen sollte, sondern der General und ehemalige Präsident Liamine Zéroual.

Saïd Bouteflika stieg 1999 – im Jahr der ersten Wahl seines 21 Jahre älteren Bruders zum Präsidenten – offiziell als Leiter der Informatikabteilung in den inneren Kreis der Macht auf. Als »Sonderberater« leitete er die Wahlkampfstäbe für die Wiederwahl Abdelaziz Bouteflikas 2004 und 2008. Dabei soll Saïd viele Geschäftsleu­te und Unternehmen erpresst haben: Diese müssten die Wahlkampagne finanzieren, wollten sie künftig noch öffentliche Aufträge ergattern. Solche Methoden soll er später auch vermehrt zur Bereicherung seiner selbst und seiner Umgebung eingesetzt haben, wie ihm nun vorgeworfen wird.