Von Bienen und Schmetterlingen - Die Boxkolumne

Nicht eingeplanter Titelgewinn

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Es war die Sensation des Jahres: Andy Ruiz Jr. besiegte nach nur sieben Runden im New Yorker Madison Square Garden den haushohen Favoriten Anthony Joshua. Geplant war das nicht. Der Brite Joshua sollte an jenem Tag im Juni seinen Titel eigentlich nur für viel Geld gemütlich im Ring spazierentragen. Statt gegen Deontay Wilder oder Tyson Fury zu boxen, wie es das internationale Boxpublikum schon länger ersehnt hatte, war Ruiz der Gegner; der Kampf galt als sichere Sache, mit einer Niederlage Joshuas gegen den 1:25-Außenseiter hatte niemand gerechnet. Schon nach der fünften Runde fragte der sichtlich konsternierte Brite seinen Trainer: »Welche Runde ist das?« Drei Minuten später war er der Verzweiflung nahe. »Warum fühle ich mich so?« stöhnte er. Insgesamt viermal ging der 1,98 Meter große Mann zu Boden, bis der Ringrichter in der siebten Runde den Kampf beendete.

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Andy Ruiz Jr. katapultierte dieser Sieg in die Weltelite des Schwergewichtsboxen. Der Erfolg hat aber auch seine Schattenseiten. »The little fat kid«, wie sich Ruiz selbst nennt, will bei Olympia 2020 in Tokio antreten. Seit vier Jahren dürfen Profiboxer auch am olympischen Boxturnier teilnehmen. Der Erfolg hielt sich bei der Premiere in Rio de Janeiro 2016 allerdings in Grenzen, nur drei Profiboxern gelang es, sich überhaupt zu qualifizieren. Eine Medaille errang keiner, weder der frühere Afrika-Champion Hassan N’Dam N’Jikam noch der Italiener Carmine Tommasone oder der ehemalige IBF-Weltmeister Amnat Ruenroeng.

Interessant ist ebenfalls, dass Ruiz vorhat, für Mexiko bei den olympischen Spielen anzutreten. Der in den USA geborene Sportler bezeichnete es bereits als »eine große Ehre, Mexiko im nächsten Jahr zu vertreten«. Er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um »an Olympia teilzunehmen und die Möglichkeit zu haben, Mexiko zu präsentieren«, schrieb der 30jährige auf Twitter.

Die Zulassung von Profiboxern zu den Olympischen Spielen stößt aber nicht überall auf Zustimmung. Der Präsident des World Boxing Council (WBC), Mauricio Sulaimán, vertritt die Ansicht, dass Profi- und Amateurboxen zwei verschiedene Sportarten seien. Er kündigte schon vor vier Jahren an, dass jeder Profiboxer, der an einem Amateurwettbewerb teilnehme, von seinem Verband für zwei Jahre gesperrt werde. Ob das mehr als eine leere Drohung ist, bleibt abzuwarten. Experten gehen jedenfalls davon aus, dass eine solche Sperre keinen Bestand vor einem ordentlichen Gericht hätte. Falls es zu einer Niederlage des Verbands käme, müsste dieser mit einer Schadensersatzforderung in Millionenhöhe von dem gesperrten Boxer und dessen Promoter rechnen. Die drei Profiboxer, die 2016 in Brasilien antraten, erhielten keine Sperre.

Vor Olympia steht noch der Rückkampf zwischen Ruiz und Joshua an. Dieser Fight um den Weltmeistertitel gleich dreier Verbände im Schwergewicht soll am 7. Dezember in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad stattfinden. Die als »Clash on the Dunes« vermarktete Veranstaltung wird unter anderem von der saudischen Regierungsbehörde General Sports Authority ausgerichtet und soll das Image des Königreichs verbessern.

Boxfans aus Israel können den Kampf leider nicht an Ort und Stelle verfolgen. Sie dürften nicht anreisen, berichtete die FAZ. Trotz einer vermeintlichen Liberalisierung in Saudi-Arabien ist es israelischen Staatsbürgern immer noch nicht möglich, ein Visum für das Land zu erhalten.