Laborbericht

Von Hamstern und Menschen

Kolumne Von

Vor zwei Monaten wurde an dieser Stelle schon einmal die unfreiwillige Tätigkeit von Hamstern in der Forschung erwähnt. Das betrifft auch die Erforschung von Sars-CoV-2, denn die Nager lassen sich leicht mit dem Virus infizieren – anders als etwa Mäuse, die man dazu erst gentechnisch mit dem menschlichen Protein ausstatten muss, an das das Virus andockt.

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Auch Meldungen wie beispielsweise »Masken reduzieren Infektionsrisiko deutlich« (Spiegel) haben etwas mit Hamstern zu tun, was allerdings nur erfährt, wer auch den dazugehörigen Artikel liest. Irreführend sind Überschriften wie etwa beim Sender N-TV: »Hamster beweisen Nutzen von OP-Masken« – wer denkt da nicht an putzige Tierchen mit ebenso putzigen Minimasken? Tatsächlich wurden für die Studie herkömmliche Masken für Menschen zwischen Käfigen mit infizierten und nicht infizierten Versuchstieren platziert. Ermutigendes Resultat: Hingen die Textilien an Käfigen mit gesunden Hamstern, halbierte sich deren Ansteckungsrisiko; mit Masken an den Käfigen der infizierten Tiere sank die Infektionsrate sogar um 75 Prozent.

Nun sind Hamster nur bedingt mit Menschen vergleichbar. Zum Beispiel sind sie recht schweigsam – während eine andere jüngst veröffentlichte Studie zu dem Schluss kommt, dass gerade Sprechen, insbesondere lautes, die Übertragung von Mensch zu Mensch begünstigt. Diese Studie ist übrigens bereits in dem Fachjournal PNAS der US-amerikanischen National Academy of Sciences erschienen, wurde also von Forschungskollegen begutachtet, die Hamsterstudie hingegen nicht. Was nicht heißen muss, dass deren Ergebnisse zweifelhaft sind.

Forschung liefert in den seltensten Fällen unumstößliche Wahrheiten, zudem hat man es a) mit einem völlig neuen Virus zu tun und drängt b) die Zeit. Entsprechend viele Arbeiten werden derzeit als noch nicht begutachtete Vorveröffentlichungen publiziert. So werden zwar die Informationen schnell zugänglich, es macht die Sache jedoch auch unübersichtlich, sowohl was die schiere Menge als auch die Validität der Studien angeht.

Medien aber, auch einigermaßen seriöse (um die Produkte aus dem Hause Axel Springer soll es hier gar nicht gehen), berichten nur ungern über »nichts Genaues weiß man nicht« und neigen zu Vereinfachungen. Das führt dazu, dass etwa Cannabis oder Nikotin als Wundermittel gegen das Virus oder eben Studien an Versuchstieren als der Weisheit letzter Schluss zum Thema Masken dargestellt werden. Mehr Zurückhaltung und Kommunikation über die wissenschaftliche Arbeitsweise in den Medien täte sicherlich gut – auch wenn es um zweifellos sinnvolle Aufrufe zum Maskentragen geht.