Strand-Show mit Zweijährigem

Meer und Malte

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Malte scheint schon abgereist zu sein, was unterhaltungstechnisch ein schwerer Verlust ist, denn der geschätzt Zweijährige bot alles auf, um dem geneigten Urlauber eine zeitvertreibende Strand-Show zu bieten. Hund und Malte mussten im Verlauf der Ferien allerdings getrennt voneinander gehalten worden, so dass der Junge keine Chance mehr hatte, das gutmütige Tier mit seiner Schippe zu verhauen.

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Dafür war Maltes Mutter aber zum Star der Aufführung geworden, indem sie – in Stil und Form großartig – die Helikoptermutter gab. Gut, anfangs war es nicht ganz einfach, sich an die beständigen Ermahnungen und das ewige Gequatsche zu gewöhnen, zumal der Hund nun wirklich sehr gut im Klappehalten gewesen war, aber nachdem das geschafft war, folgte ein wirklicher Hochgenuss. Besonders schön war der alle halbe Stunde erfolgende Vortrag zum Thema: »Malte, wir hatten doch gesagt, dass wir uns nicht in den Sand setzen, sondern immer ein Handtuch unterlegen.« Was am Sandsitzen so schlimm ist, wurde dabei zwar nicht erwähnt – womöglich lauern im Sand Viren oder Bakterien und führen zu lebensbedrohlichen Erkrankungen –, aber das Referat bestach durch den äußerst beleidigten Tonfall der Speakerin und das Ausbleiben jeder Reaktion beim Adressaten. Vielleicht, weil Malte sich gar nicht erinnern konnte, so etwas Blödem jemals zugestimmt zu haben, oder vielleicht auch, weil das Dauerlamento für den Kleinen wie die Wellen und die Schreie der Möwen zum ganz normalen Urlaubshintergrundgeräusch geworden war.

Wie auch immer, Malte saß spätestens fünf Minuten danach wieder im Sand. Ohne Handtuch. Das war schon sehr vorbildlich. Wie übrigens auch seine regelmäßigen Versuche, die ihm zugeteilten Rohkostsnacks vor dem Verzehr dick mit Sand zu panieren. Wofür es natürlich auch eine eigene Vortragsreihe gab: »Malte, wir hatten doch gesagt, dass wir nicht mit dem Essen spielen.« Ansonsten tat Maltes Mutter eigentlich nichts, nur hin und wieder forderte sie Maltes Vater auf, doch auch mal was zu sagen, aber mehr als »Malte, lass das!« kam von ihm nicht.