Der frühere spanische König Juan Carlos hat sich nach Abu Dhabi abgesetzt

Monarch im Exil

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Der frühere spanische König Juan Carlos hat, wie die offizielle Erklärung des Bourbonen-Königshauses ­besagt, »die wohlüberlegte Entscheidung getroffen, seinen Wohnsitz ins Ausland zu verlegen«. Dem ­Monarchistenblatt ABC zufolge logiert er nun in einer Suite, die 11 000 Euro pro Nacht kostet, in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, wo er dank seiner früheren Geschäftsbeziehungen weit beliebter ist als bei seinen ehemaligen Untertanen. Dort könnte er ABC zufolge das Ende der karibischen Hurrikansaison abwarten, um dann in die Dominikanische Republik weiterzu­reisen, wo sein Freund, der Zuckerbaron José »Pepe« Fanjul, einen luxuriösen Hotelkomplex und diverse Villen besitzt.

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Seit 2018 ermittelt die Schweizer Justiz gegen Juan Carlos wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung; der NZZ zufolge untersucht sie, »ob die 64,8 Millionen Euro, die Juan Carlos auf einem Konto in der Schweiz deponiert hatte, in Zusammenhang stehen mit einem Milliardenprojekt für den Bau einer 450 Kilometer langen Schnellzugstrecke in Saudi-Arabien, für das ein spanisches Konsortium 2011 den Zuschlag erhielt«. Juan Carlos sei wegen seiner guten Beziehungen zum saudischen Königshaus als Vermittler für den Auftrag gefeiert worden. Die ­Millionen seien 2012 auf das Konto seiner Geliebten Corinna Larsen überweisen worden.

Das seien Peanuts verglichen mit den Leistungen von Juan Carlos für Spaniens Demokratie, da sind sich die Verteidiger des Monarchen einig. Zwei Tage nach dem Tod des Diktators Francisco Franco am 20. November 1975 bestieg Juan Carlos den Thron und wachte über die Phase der Transición, des Übergangs zur Demokratie. Seinen größten Coup landete Juan Carlos während des Februarputsches 1981, den er mit einer gut einstudierten Fernsehansprache in der Uniform des Oberbefehlshabers beenden konnte.

Einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu Juan Carlos’ Finanzen blockiert nicht nur die rechtsliberale, konservative und nationalistische Opposition, sondern auch die sozialdemokratische Partei PSOE. Deshalb hat sie Krach mit ihrem Koalitionspartner, dem linksalternativen Bündnis Unidas Podemos.