Brad Parscale, der ehemalige Wahlkampfmanager von Donald Trump, ist in der Psychiatrie gelandet

Schlecht beraten

Porträt Von

In etwas mehr als vier Jahren wurde Brad Parscale vom gefeierten Strategen zu einem Mann, der nach Selbstmord­drohungen und Gewalt gegen seine Frau in eine Psychiatrie eingewiesen wurde. Die Polizei überwältigte den früheren Berater von US-Präsident Donald Trump am Sonntag vor seinem Haus und brachte ihn in eine Klinik. Parscale, noch vor wenigen Wochen gefeierter Stratege von Trumps Wahlkampf in den digitalen Medien, war vermutlich aufgegangen, dass seine Zukunft nicht rosig aussieht. Denn neben den von der New York Times veröffentlichten Details über Trumps mutmaßliche Steuerhinterziehungen wurde bekannt, dass der britische Fernsehsender Channel 4 am Montag eine akribische Recherche über die Nutzung der Daten von Cambridge Analytica durch Trumps Wahlkampagne ausstrahlen würde. Den Autoren waren unter anderem die Datensätze von 198 Millionen US-Bürgern zugespielt worden, aufgeteilt in acht Kategorien. Eine trug den Titel »Abschreckung«, in ihr befanden sich die persönlichen Details von mehrheitlich Schwarzen, die mutmaßlich entweder für Hillary Clinton stimmen würden oder gar nicht. In sozialen Medien wurden speziell für diese Wähler, sofern sie in einem der swing states wohnten, Videoaufnahmen von Clinton geschaltet, in denen diese sich angeblich rassistisch äußerte. 44 Millionen US-Dollar gab die Trump-Kampagne für solche Anzeigen aus. Im Kongress hatte Parscale 2018 unter Eid ausgesagt, niemals Anzeigen geschaltet zu haben, um Menschen vom Wählen abzuhalten oder in ihrem Wahlverhalten zu beeinflussen. Das war offensichtlich eine Lüge, die mit einer Freiheitsstrafe enden könnte. Zudem wird gegen ihn mutmaßlich wegen Geldwäsche ermittelt. Bereits im Juli veröffentlichte die Federal Election Commission einen 81seitigen Bericht, wonach die Trump-Kampagne 170 Millionen US-Dollar über Parscale gehörende Firmen an Berater, Familienmitglieder Trumps und Unternehmen ausgezahlt habe. Offenbar gehörte die Zahlung von Beraterhonoraren zu Trumps Steuerspartricks. Eric Trump ist jedoch stellvertretender Geschäftsführer und Ivanka Trumps Firmen sind unter dem Dach der Trump Inc. angesiedelt. Beraterhonorare sind in solchen Fällen steuerlich illegal.

Anzeige