Yacine Mebarki wurde wegen »Anstiftung zum Atheismus« zu zehn Jahren Haft verurteilt

Hirak in Haft

Porträt Von

Es ist die schwerste Strafe, die bislang gegen einen Aktivisten der algerischen Protestbewegung Hirak verhängt wurde. Am Donnerstag voriger Woche verurteilte ein Gericht in der im Osten des Landes gelegenen Stadt Khenchela den wichtigen Hirak-Aktivisten Yacine Mebarki wegen »Anstiftung zum Atheismus«, »Beleidigung oder Verunglimpfung der Lehre oder der Gebote des Islam« und »Gefährdung der Einheit der Nation« zu zehn Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von zehn Millionen Dinar, umgerechnet 66 000 Euro. Der stellvertretende Vorsitzende der Algerischen Liga zur Verteidigung der Menschenrechte, Said Salhi, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Mebarki werde Berufung gegen das Urteil einlegen. Salhi konnte nicht präzisieren, was Mebarki genau vorgeworfen wurde.

Anzeige

Am 30. September nahmen Polizisten Mebarki fest und durchsuchten seine Wohnung in Khenchela. Dort fanden sie ein Exemplar des Koran, das Mebarkis Großvater gehört hatte. Dem Polizeibericht zufolge fehlte eine Seite des Buchs. Ein Freund des Verurteilten, der vor Gericht anwesend war, sagte AFP, eine Seite des Korans sei wegen des Alters des Buchs eingerissen gewesen. Der algerischen Zeitung  El Watan  zufolge sagte Mebarki vor Gericht, er habe das fragliche Koran­exemplar von seinem Großvater erhalten. Er bestritt, das Buch entweiht zu haben. Er habe es sorgfältig in seiner Bibliothek aufbewahrt. Zudem sagte er: »Ich bin nicht atheistisch, ich bin Muslim, aber ein laizistischer Muslim.«

El Watan berichtete, in seinem Stammcafé habe Mebarki islamistische Ideen kritisiert, darunter die des ägyptischen Salafistenpredigers Abu Ishaq al-Heweny. Die Zeitung gibt an, von Zeugen erfahren zu haben, dass ein Polizeibeamter, der im selben Viertel wie Mebarki wohne und mit den Ideen des »Islamischen Staats« (IS) sympathisiere, Mebarki denunziert habe. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sagte vor Gericht, man habe Informationen erhalten, nach denen der Angeklagte Druck auf einen anderen Bürger ausübte, um diesen zum Atheismus zu bekehren.

Dem Nationalen Komitee zur Befreiung der Gefangenen zufolge sitzen mehr als 60 Menschen, darunter Journalisten, im Zusammenhang mit den Hirak-Protesten in algerischen Gefängnissen ein.