Francisco Rodrigues wurde mit veruntreutem Geld in der Unterhose erwischt

Karriere im Arsch

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Mit heruntergelassener Hose beendete Francisco Rodrigues, genannt »Chico«, am Mittwoch voriger Woche vorerst seine politische Karriere. Die brasilianische Bundespolizei hatte in der Wohnung des Senators des brasilianischen Bundesstaats Roraima in Boa Vista, der Hauptstadt Roraimas, nach veruntreutem Geld gesucht, das als Coronanothilfe vorgesehen war. Dabei fiel den Beamten eine ungewöhnliche Ausbeulung in der Hose des Senators auf. Rodrigues hatte versucht, 30 000 Reais (umgerechnet rund 4 500 Euro) zu verstecken, teilweise in seiner Unterhose und zwischen den Pobacken.

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Rodrigues war nicht irgendwer, sondern der stellvertretende Vorsitzende der Regierungsfraktion im brasilianischen Senat, in dem 16 Parteien vertreten sind. Nun hat er seine Entlassung beantragt. Rodrigues war ein enger Vertrauter des Präsidenten Jair M. Bolsonaro. Er stammt aus dem Bundesstaat Pernambuco, begann seine politische Karriere aber 1991 in Roraima. Als langjähriger Parlaments­abgeordneter hat er mehrfach die Partei gewechselt und wurde bereits früher mit unsauberen Geschäften in Verbindung gebracht. Der Fall ereignete sich, eine Woche nachdem Bolsonaro die Korruptionsermittlungen der Bundespolizei im Fall »Lava Jato« (Autowaschanlage) beendet hatte, weil es keine Korruption in der Regierung mehr gebe. Er war nicht zuletzt gewählt worden, weil er versprochen hatte, die in Brasilien grassierende Korruption nicht zu tolerieren. Unter dem Hashtag #PropinaNaBunda (Schmiergeld im Hintern) verspotten nun Tausende Brasilianern die Regierung.

Das Verstecken von Schwarzgeld in der Unterhose ist eine parteiübergreifende Tradition in Brasilien. In den Jahren 2005, 2009 und 2019 erwischte die Bundespolizei bereits Politiker oder deren Mitarbeiter damit. Auf Twitter regten Nutzer an, eine bronzene Unterhose als Denkmal für die politische Klasse Brasiliens zu errichten. Wegen dieser Tradition ist fraglich, ob der Fall Rodrigues wirklich in die »Analen« der brasilianischen Geschichte eingeht, wie einige auf Twitter spotteten.