Das Album »Tower of Age« von Lithics

Befreiende Einschränkung

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1999 gründete sich in San Francisco eine Band, die auf den illustren ­Namen Erase Errata hörte. Erst vier, dann nur noch drei Frauen spielten einen basslastigen Punkrock, die Gitarren waren im Gegensatz zur klaren Bassline quietschig, dissonant und chaotisch. Ihr erstes Album »Other Animals« von 2001 war eine Ansammlung von Miniaturen, kein Song dauerte länger als drei Minuten, und jeder funktionierte nach demselben Prinzip, die Gitarrenstimmungen waren gleich, selbst die Melodien ähnelten sich, lediglich was das Tempo angeht, wurde variiert.

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So ähnlich funktioniert und klingt auch »Tower of Age«, das zweite ­Album der Lithics, einer Band aus Portland. Ihr zweites Album »Mating Surfaces« erschien 2018 bei Kill Rock Stars, für die neue Platte haben sie das Traditionslabel bereits wieder verlassen. Außer der Single »Hands«, die auf ein Crescendo zuläuft und Potential zum Hit hat, sind die 13 Songs durchaus experimenteller Natur, und wie bei Erase Errata bestehen sie aus einem stark dominierenden Bass und trockenen, hellen Gitarren, die um die Wette spielen. Dazu kommt der hypno­tische Sprechgesang von Sängerin Aubrey Hornor.

Im Interview mit Radio X aus der Schweiz sagte Bassist Bob Desaulniers kürzlich einen Satz, der die Musik seiner Band gut zusammenfasst: »Einschränkungen können auch eine Art der Befreiung sein.« Bezogen auf die Musik der Lithics ­ergibt das durchaus Sinn: Obwohl die Band aus zwei Gitarristen, einem Bassisten und einem Schlagzeuger besteht, werden die Instrumente nur spärlich eingesetzt, die Instrumente sind fast nie alle gleichzeitig zu hören, die eine Gitarre wird eh nur zum Schrammeln eingesetzt. Das klingt manchmal extrem neu und frisch, beizeiten fühlt man sich an The Fall erinnert. Was Erase Errata im Laufe ihres Bestehens hinbekommen haben, gelingt ­Lithics allerdings noch nicht: Die eine oder andere Melodie oder Stimmung wiederholt sich dann doch zu oft.

Lithics: Tower of Age (Trouble In Mind)