Kritik an der christlichen Rhetorik im Kanzleramt

Unverschämt fürs Weihnachtsfest

Das Medium Von

Nein, es ist nicht überraschend, dass die ­Coronaregeln verschärft wurden, schließlich hatte Angela Merkel genau das vorhergesagt – und war für ihre Prognose, dass es zu Weihnachten 19200 Neuinfektionen pro Tag geben könnte, wenn die Vorgaben weiterhin nicht eingehalten würden, allgemein und vor allem in diversen Medien verlacht worden. Heute lacht niemand mehr, außer denjenigen, die immer noch fest daran glauben, dass Covid-19 nur für sie erfunden wurde, weil sie so unglaublich wichtige und unangepasste Systemkritiker sind, denen die Massen folgen. Oder wenigstens ein paar Tausend Leute, die aber im Prinzip Millionen sind, mindestens.

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So weit, so wenig überraschend. Das Einzige, was an den Regelverschärfungen wirklich erstaunlich ist, ist die unverschämte Weihnachtsargumentation. Zuletzt war es der Kanzleramtschef Helge Braun, der sagte, es gehe nicht nur um die Sicherstellung der medizinischen Betreuung, sondern »auch darum, der deutschen Wirtschaft das Weihnachtsgeschäft und der Bevölkerung die Weihnachtsfeier im Familienkreis zu ermöglichen«. Dass zu »der Bevölkerung« auch eine Menge Menschen gehören, die keine Christen sind und deswegen gar kein Weihnachten feiern, erwähnte er nicht. Genauso wenig, wie diejenigen, die sich nun darauf freuen, dass ihnen durch die neuen Regelverschärfungen vielleicht tatsächlich das Feiern mit der Familie möglich sein wird, auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwenden, dass das nur deswegen klappen könnte, weil die Nichtchristen sich ganz selbstverständlich auch an die Regeln halten – obwohl sie zumindest ahnen dürften, dass das Geschrei über den Untergang des Abendlandes immens wäre, wenn ganz Deutschland in eine Art halben lockdown müsste, damit Juden, Muslime, Hindus oder Buddhisten einen Feiertag mit ihren Familie begehen können.