Über das Lachen unter verschärften gesellschaftlichen Bedingungen

Ausweitung der Lachzone

Das Lachen ist auf den Hund gekommen. Daran hat nicht nur die stete Kommerzialisierung der humoristischen Darbietungen ihren Anteil, sondern auch die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen das Lachen herausbricht.

Der Mensch muss lachen, sonst wird er verrückt und böse. Allerdings haben auch die Verrückten und Bösen ihr Lachen. Die Gefahr kommt nicht selten lachend daher. Wo die Gefahr am größten wird, da wächst das Lachen auch. Es ist ein Unding, zu glauben, dass das Lachen an sich gut sei. Genauso ist es ein Unding, dem Lachen von vornherein zu misstrauen. Über das Wissen um das eigene Lachen sollte man sich verständigen. Und über das der anderen auch. Eine Aufklärung des Lachens gewissermaßen.

Die gesellschaftliche Praxis indes folgt entweder der Logik des Marktes oder der Logik des Feindbildes. Die immer weiter ausdifferenzierten Lachsubkulturen suchen sich ihre Medien, ihre Nischen und ihre Sprachen; ihre Genres, ihre Stars und ihre Riten. In der zweiten inneren Landnahme des Ka­pitals ist auch das Lachen fundamental marktförmig geworden. Wir lachen nicht mehr einfach so, wo kämen wir da hin? Wir lachen über das, was uns als Humor-Ware feilgeboten wird: die Lachsendungen im Fernsehprogramm, die Lachzeitschriften, die Lachenmacher auf den Kleinkunstbühnen, die Lachpartikel und Lachkommentare in den sozialen Medien, die Lachbefehle auf T-Shirts, Lachreklame, Lachfilme, Lachkaskaden zwischen Karneval und Starkbieranstich. Den Witz, den Sigmund Freud in seiner Beziehung zum Unbewussten untersuchte, müssen wir zudem mit Marx in Beziehung setzen zur toten Arbeit. Und mit Theweleit in eine Beziehung zur Gewalt.

 Die Late-Night-Show erfüllt die Funktion des comic relief, der Entlastung durch das Komische, auf der Grundlage von Aufklärungsabsicht und Gegendiskurs.

Noch kein Abonnement?

Denn dieser Inhalt ist noch nicht frei zugänglich. Um diesen Inhalt jetzt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt: