Was man sich während der Pandemie erzählt

Dies und das

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Also, ich bin aufgestanden und hab dann so das Übliche wie Kaffee gemacht und anschließend erst mal Mails gelesen und ein paar Artikel geschrieben und ein bisschen telefoniert und mal in die erste Folge von »Wir Kinder vom Bahnhof Zoo« reingeschaut, deren Highlight übrigens Michel­angelo Fortuzzi ist. Und dann bin ich spazieren gegangen und hab dies und das getan und dieses Buch von dem Typen, der seinen Mafiaboss-Vater ans FBI verraten hat, fertig gelesen, war ziemlich interessant, und dann haben wir gekocht – natürlich hat’ man derzeit nicht so wirklich viel zu erzählen, weil man nicht so wahnsinnig viel erlebt, wenn man sich an die Corona­regeln hält.

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Andererseits, wenn man genauer drüber nachdenkt, war das allgemeine Erleben auch vor der Pandemie nicht besonders spannend. Zu mehr als 70 Prozent bestand das, was man auf Fragen wie »Na, wie war denn dein Tag?« oder »Und was gibt’s Neues?« als Antworten erhielt, aus Klatsch und Tratsch und Lamentos über nervende Chefs, Kollegen, Mitpassagiere in ­öffentlichen Verkehrsmitteln, Nachbarn, die Trottel im Park und Rad- beziehungsweise Autofahrer sowie Politik und Bundesliga. Gut, hin und wieder fuhr außerhalb der üblichen Urlaubszeiten mal jemand irgendwohin, und selbstverständlich gab es Schilderungen des Angebots in neu entdeckten Restaurants, Kneipen, Bars, wobei »Boah, was bin ich am Samstag abgestürzt« nun auch nicht zu den interessantesten Gesprächsthemen gehört, weil sich abgestürzte Personen selten an mehr als die Basics, also grob die ebenfalls Anwesenden, erinnern. Insofern hat sich eigentlich nicht so viel geändert, bis vielleicht darauf, dass man im Internet nun ständig über Fotos von Bastelarbeiten stolpert, also alten Schuhkartons, aus denen wie alte Schuh­kartons aussehende Dinge gemacht wurden. Wär’ nicht schlimm, wenn Corona bald weggeht.