Der Traum von rosa Haaren

Traum in Rosa

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Es ist Frühling und deswegen muss nun auf jeden Fall umgehend etwas passieren, so dass man gut zum bald einsetzenden Geblühe passt. Und deswegen wäre es doch schön, rosa Haare zu haben, rosa wohl­gemerkt, und nicht pink. So ein hübsches Zartrosa, das wäre es. Zartrosa passt nämlich zu fast allem, außer zu Forsythien, aber die sind ja zum Glück signalgelb und deswegen leicht zu umgehen.

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Ganz nachvollziehbar ist der plötzliche Wunsch nach rosa Haaren allerdings nicht, denn bisher ist man auch ohne Rosa auf dem Kopf recht gut durchs Leben gekommen, aber manchmal überrascht man sich halt selber, was ja auch ganz nett ist, schließlich wäre es ja ziemlich trostlos,wenn man immer nur das täte, was man von sich erwartet. Woran die Sache mit der neuen Haarfarbe liegt, ist also unbekannt, obwohl irgendwas mit Corona naheliegt, die Zeiten sind halt so, dass man irgendwas tun muss, und alles ist besser als pinke Haare, die immer, immer, immer nach Karnevalsperücke aussehen.

Leider werden die Haare aber so bleiben müssen, wie sie sind, denn so weit, dass dunkle Haare ohne immensen Aufwand einfach so rosa werden können, sind Zivilisation und Fortschritt noch nicht gekommen, was ein großer Skandal ist, denn wenn auch nur ein Bruchteil der Zeit, die damit verschwendet wurde, Ballonmützen, Schulterpolster, Plüschadiletten, Underboob-Tops und Mäntel mit kurzen Ärmeln zu erfinden, in die Kreation einfacher Rosatönungen geflossen wäre, wäre die Welt auf ­jeden Fall ein schöner kolorierter Ort.

Und so bleibt nur, was anderes zu tun, Fensterputzen und Möbelumstellen, vielleicht, oder mit der Haarfarben- und Schminke-App eines Kosmetikkonzerns zu spielen, die hübsch bescheuerte Ergebnisse liefert. Oder noch einen Kaffee trinken, und anschließend rausgehen und Knospen überprüfen, man will ja schließlich informiert sein, wann die große Frühlingsfarbenexplosion losgeht.