Das Medium: E-Roller werden in Oslo zum Problem

Rollback der Roller

Kolumne Von

Heute geht es zur Abwechslung mal nicht um Corona oder den Sommer oder abscheuliche Modefarben, sondern um den Ort, auf den sich deutsche Autohasser am allerliebsten beziehen, wenn sie über vorbildlich geglückte Verkehrswenden sprechen: Oslo. In der norwegischen Hauptstadt soll der Gebrauch von E-Rollern stark reglementiert werden, wie die Grünen-Politikerin Lan Marie Nguyen Berg, Stadträtin für Verkehr und Umwelt in Oslo, nun ankündigte. Diese seien ­zunächst ein gutes Angebot für mehr Mobilität in der Stadt gewesen, sagte sie der Zeitung VG, »aber nun sind sie ein großes Problem geworden, weil es einfach zu viele davon gibt«.

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Die Zahl der E-Roller soll von derzeit 20 000 Exemplaren auf auf 8 000 herabgesetzt werden. Wochentags werden sie zwischen ein und fünf Uhr morgens für die Ausleihe gesperrt. Als Grund gibt Nguyen Berg die Unfallstatistiken in der norwegischen Hauptstadt an: Nachts steige das Risiko, sich schwer zu verletzen, beträchtlich. Das Ziel sei, dass möglichst viele Menschen zu Fuß gingen oder radfahren – was durch rücksichtslose E-Roller-Fahrer jedoch erschwert werde. Außerdem machen die Dinger wohl Lärm: Die immens nervende Alarmfunktion muss, so Nguyen Berg, ab 20 Uhr bis in die Morgenstunden deaktiviert werden. Anwohner hatten sich beschwert.

Zudem werden sowohl permanente als auch temporäre Zonen geschaffen, in denen es unterschiedliche Vorschriften für ­E-Roller gibt. Mit Hilfe einer Geofence-Funktion werden die Zonen digital gesichert. Mancherorts wird der Gebrauch der Roller verboten sein, andernorts werden Geschwindigkeitsbeschränkungen und Parkverbote gelten. Betreiberfirmen erhalten zusätzlich die Auflage, falsch geparkte oder Fußgänger behindernde ­E-Roller zu entfernen oder umzusetzen. Derzeit schleppt die Osloer Kommune solche Fahrzeuge noch selbst ab und stellt den Verleihfirmen für jeden dieser Abschleppvorgänge umgerechnet 158 Euro in Rechnung.