Mit vollem Impfschutz nach Nor­wegen

Meine Privilegien

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Es ist sehr angenehm, vollständig geimpft zu sein und Urlaub zu machen. Aber auch mit internationalem digitalen Impfausweis muss man bei der Einreise nach Norwegen so lange an der Grenze warten wie alle anderen auch – und lange bedeutet in diesem Fall wirklich lange, denn insgesamt sind nur sehr wenige Grenzstationen geöffnet. Nachdem man dann also wirklich lange in der Einreiseschlange gestanden hat, geht alles doch noch schnell. Jemand in Uniform will den digitalen Impfausweis sehen und macht dann damit Polizeisachen, bevor jemand dann den richtigen Ausweis zu sehen verlangt. Sobald feststeht, dass es sich in beiden Fällen nicht um gefälschte Dokumente handelt, bekommt man ein Stückchen Papier ausgehändigt, auf dem steht, dass man ohne Test und Quarantäne einreisen darf. Und dann ist man frei, zu fahren, wohin man will, zunächst an der Schlange der nicht vollständig Geimpften oder Ungeimpften vorbei. Wie lange es dauert, bis sie ihren Negativtest ausgehändigt bekommen oder wieder weggeschickt werden, weiß niemand so genau, aber wenn Norweger etwas tun, dann tun sie es gründlich.

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Man muss davon ausgehen, dass das Warten aufs Getestetwerden, die Nasenherumpopelei und die vorherige schriftliche Einwilligung plus das anschließende Dasitzen, bis das Ergebnis da ist, durchaus ein Stündchen in Anspruch nehmen können. Insofern ist das Impfprivileg, von dem in Deutschland dauernd behauptet wird, es existiere gar nicht, eine sehr gute Sache. In Norwegen gibt es übrigens keine Maskenpflicht, aber manche Leute tragen doch welche, und wenn man als Tourist mit hübscher rosa oder schwarzer Mundnasenbedeckung herumläuft, sagt auch niemand was, und angepöbelt oder böse angeguckt wird man erst recht nicht. Außerdem halten die Leute auch ohne Pandemie Abstand. Und die Desinfektionsmittelspender in den Läden sind immer voll, wirklich immer, immer, immer, und das ist schön, und vielleicht bleiben wir einfach hier.