Dem russischen KPRF-Politiker Walerij Raschkin wird illegale Jagd vorgeworfen

Kommunistischer Elchtest

Porträt Von

Klebt Elchblut an seinen Händen? Tagelang beschäftigte die russischen Staatsmedien fast kein anderes Thema: In der Nacht zum 29. Oktober trafen Polizisten und Jagdinspekteure in einem Wald bei Saratow zwei Männer an, die Elchteile in ein Auto luden. Einer der beiden wies sich als Walerij Raschkin aus. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren wegen illegaler Jagd eröffnet.

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Sollte Raschkin verurteilt werden, steht einiges auf dem Spiel. Der mutmaßliche Elchkiller ist nämlich Abgeordneter der neugewählten Duma und Erster Sekretär des Moskauer Stadtkomitees der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF). Innerhalb der Führung der KPRF, der größten russischen Oppositionspartei, steht Raschkin wie kein anderer für die taktische Zusammenarbeit mit der Bewegung von Aleksej Nawalnyj. In Moskau, nicht gerade einer Hochburg der KPRF, profitierte die Partei bereits bei der Regionalwahl 2019 von Nawalnyjs Methode der »intelligenten Wahl«, der zufolge die aussichtsreichsten oppositionellen Kandidatinnen und Kandidaten ohne Rücksicht auf ideologische Differenzen unterstützt werden sollen.

Der 1955 geborene Raschkin trat 1983 der KPdSU bei, der sowjetischen Vorgängerpartei der KPRF. Der studierte Ingenieur und Politologe begann seine Parteikarriere in der Region Saratow. 2011 holte ihn der KPRF-Vorsitzende Gennadij Sjuganow nach Moskau, denn der damalige Erste Sekretär der Moskauer KPRF, Wladimir Ulas, hatte sich zu radikal gegeben und stand im Verdacht, einem Bündnis mit der liberalen Opposition nicht abgeneigt zu sein. Raschkin sollte für Disziplin sorgen. Doch kaum hatte er den rebellischen Ortsverband der Hauptstadt pazifiziert, begann er selbst, sich der »antisystemischen« Opposition anzunähern. Mittlerweile gilt Raschkin als wichtigster Gegner des Kurses Sjuganows, der Nawalnyj als Agenten westlicher Geheimdienste betrachtet.

Die Chance, Sjuganow als Vorsitzender der KPRF nachzufolgen, könnte Raschkin verspielt haben. Bereits im April wurde er nicht ins Präsidium des Zentralkomitees der KPRF wiedergewählt. Nun droht Raschkin der Verlust seiner Abgeordneten­immunität und im Fall einer Verurteilung auch des Mandats und weiterer Ämter. Er bestreitet, den Elch getötet zu haben, er habe ihn nur gefunden. Die mutmaßliche Tatwaffe fanden Ermittler erst Tage später.