Bei den Präsidentschaftswahlen in Honduras liegt Xiomara Castro deutlich in Führung

Die Gewinnerin

Porträt Von

Etwas voreilig war Xiomara Castro schon. »Wir haben gewonnen«, sagte sie bereits einige Stunden nach dem Schließen der Wahllokale am Sonntag in Honduras. Zu diesem Zeitpunkt waren zwar noch längst nicht alle Stimmen ausgezählt, doch die Kandidatin des linksliberalen Parteienbündnisses Alianza con el Pueblo (Bund mit der Bevölkerung), dem ihre Partei Libre angehört, lag bei der Präsidentschaftswahl mit rund 54 Prozent der Stimmen bereits deutlich in Führung; knapp 20 Prozentpunkte vor dem zweitplatzierten Kandidaten der Nationalen Partei, Nasry Asfura. Glückwünsche kamen auch prompt von Nicolás Maduro, der »zwölf Jahre nach dem Putsch gegen den Bruder Manuel Zelaya« Honduras wieder auf dem »Weg der Hoffnung« sah und Castro einen »historischen Sieg« attestierte. Nun braucht Venezuelas Präsident bekanntermaßen bei sich kein korrektes Wahlprozedere, um sich selbst als Sieger zu fühlen, in einem muss man dem Autokraten aber recht geben: Castros Wahlerfolg ist tatsächlich historisch. Das erste Mal käme nun eine Frau an die Staats­spit­ze von Honduras und das erste Mal seit der Rückkehr zur Demokratie mit den Wahlen 1981 stellte nicht eine der großen Parteien – Nationale oder Liberale Partei – den Präsidenten.

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Castro versprach eine »direkte und partizipative Demokratie«, will »gemeinsam eine neue Ära aufbauen« und forderte: »Weg mit dem Krieg, weg mit dem Hass, weg mit den Todesschwadronen, der Korruption, dem Drogenhandel, weg mit den Zede und weg mit der Armut.« Mit Zede sind von ausländischen Investoren verwaltete Sonderzonen auf honduranischem Territorium gemeint. Organisierte Kriminalität und staatliche Gewalt gegen soziale Bewegungen hatten dazu geführt, dass Honduras vor zehn Jahren eine der höchsten Mordraten der Welt hatte. Auch wenn die Rate mittlerweile deutlich gesunken ist, setzen Kriminalität und Gewalt der honduranischen Bevölkerung weiterhin zu.

Bekannt wurde Castro zunächst als Unterstützerin ihres Ehemanns Manuel Zelaya, Präsident von 2005 bis 2009, der durch einen von der rechten Opposition unterstützten Militärputsch gestürzt wurde. Er kam aus der Liberalen Partei und gründe­te 2011 die linksliberale Partei Libre, für die Castro bereits bei den Wahlen 2013 und 2017 als Präsidentschaftskandidatin angetreten war. Dieses Mal hat sie offenbar Erfolg.