Bei den Präsidentschaftswahlen in Chile ist der Pinochet-Nostalgiker Kast Favorit

Vorwärts in die Vergangenheit

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Chile errang der rechtsextreme Pinochet-Nostalgiker José Antonio Kast die meisten Stimmen.

In Chile steht nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen am 21. November fest, welche Kandidaten am 19. Dezember zur Stichwahl antreten. In dieser sieht der mit 27,9 Prozent der Stimmen erfolgreichste Kandidat, José Antonio Kast, eine »Wahl zwischen Freiheit und Kommunismus«. Und auch der mit 25,8 Prozent Zweitplatzierte, Gabriel Boric, sieht das Land am Scheideweg: »Entweder schreiten wir zu einem inklusiven, großzügigen Chile voran, das sich um die Seinen sorgt. Oder wir verbleiben in der Logik des Ausschlusses und der Privilegien.«

Schon hier wird klar, wofür die beiden Kandidaten stehen: Der Rechtsextreme Kast, Sohn eines nach Chile ausgewanderten deutschen Wehrmachtoffiziers, stilisiert sich als Symbol für »Ordnung und Fortschritt«. In antikommunistischer Manier beschwört er das Bild kubanischer und venezolanischer Verhältnisse herauf, die in Chile mit den Protesten seit 2019 Einzug gehalten hätten. Kast macht aus seiner Sympathie für die Diktatur unter Augusto Pinochet kein Geheimnis. »Wäre Pinochet noch am Leben, würde er natürlich mich wählen«, so der Kandidat Anfang November im Radio Tele 13. Im Oktober 2020 gehörte Kast zu jenem Fünftel der chilenischen Gesellschaft, das in ­einem Referendum für die Beibehaltung der aus noch Zeiten der Diktatur stammenden Verfassung stimmte.

»Wäre Pinochet noch am Leben, würde er natürlich mich wählen.« José Antonio Kast

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