Milena Busquets erzählt im Roman »Meine verlorene Freundin« vom Tod einer Klassenkameradin

Requiem für eine Freundin

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Eine Schriftstellerin Anfang 40, alleinerziehende Mutter zweier Söhne, mit Altbauwohnung in Barcelona. Ein Restaurantbesuch katapultiert sie gedanklich zurück in die Schulzeit. Gartenstühle mit dünnen Beinen wie von Giraffenkindern, sie kennt das Mobiliar. Das Lokal gehörte den Eltern einer Schulfreundin. Hier wurde Kindergeburtstag gefeiert, ein Vorgeschmack auf die Ausgehkultur der Erwachsenen und alles, was noch kommt. Aber für die Freundin wurde nichts davon real. Keine Barbesuche, keine sexuellen Begegnungen.

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Der rote Faden der Erzählung »Meine verlorene Freundin« von Milena Busquets ist die Erinnerung an die jung verstorbene Gema, die 15jährig an Leukämie erkrankt und die Diagnose nur wenige Wochen überlebt. Zu diesem Zeitpunkt haben die Mädchen einander längst aus den Augen verloren. Irgendwann fällt auf, dass Gema in der Schule fehlt, und es heißt, dass sie schwerkrank ist. Nach Wochen taucht sie wieder auf. Ein zufälliges Treffen der Teenager auf dem Schulhof wird die letzte Begegnung der beiden gewesen sein. Rund drei Jahrzehnte später beginnt die Schriftstellerin, ihre Freundinnen und Lehrer nach dem Mädchen auszufragen. Erinnert sich noch jemand an Gema?

Milena Busquets ist die Tochter der in Spanien bekannten Verlegerin und Schriftstellerin Esther Tusquets. Den Tod der berühmten Mutter verarbeitete sie in ihrem Debütroman »Auch das wird vergehen« (2015). In »Meine verlorene Freundin« erzählt sie von einer Recherche, die zu einem nachgeholten Abschied von der Schulkameradin und der eigenen Jugend wird. Auch dieser Roman hat offenkundig autobiographische Züge. Der Beschäftigung mit dem toten Mädchen fehlt aber die Dringlichkeit, man versteht oft nicht recht, was die Recherche eigentlich motiviert. Dass man das Buch dennoch bis zum Schluss nicht aus der Hand legen mag, liegt an der elegant-melancholische Weise, in der Busquets die Geschichte erzählt.

BuchcoverMilena Busquets: Meine ­verlorene Freundin. Aus dem Spanischen von Svenja ­Becker. Suhrkamp, Berlin 2022, 137 Seiten, 22 Euro