Arbeiterkämpfe in der Volksrepublik China der fünfziger Jahre

Die Linke im Reich Mao Zedongs

Seit der Ausrufung der Volksrepublik China im Jahr 1949 gab es immer wieder auch explizit linke Proteste gegen die autoritäre kommunistische Führung des Landes. In seinem Buch »Die Linke in China« stellt Ralf Ruckus die wichtigsten Bewegungen und Aktionen vor. Im Kapitel »Arbeiterkämpfe und politische Unzufriedenheit 1956−1957« geht er auf die Zeit ein, als die chinesische Führung mit der Hundert-­Blumen-Bewegung offene Kritik zuließ – um dann die Kritiker:innen hart zu bestrafen.
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»Die Kommunistische Partei ist jetzt da, aber wir müssen immer noch wie Lasttiere arbeiten, von morgens bis abends, vom Jahresanfang bis zum Jahresende. Ist das die ›Befreiung‹? Heißt das, dass wir die Herren des Landes sind?«

Arbeiter in Suzhou, 1954


Die Arbeiterkämpfe von 1956 und 1957 waren ein Ergebnis der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in der ersten Übergangsperiode. Diese reichte von der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 bis zur vollständigen Umsetzung der Planwirtschaft im Jahr 1956.

Dem linken KPCh-Regime gelang es, die Volksrepublik China als Nationalstaat zu etablieren, aber es dauerte mehrere Jahre, bis es die vollständige Kontrolle über alle Teile des Landes erlangt hatte. Nach der Machtübernahme 1949 bildeten die Anführer der KPCh und der revolutionären Bauernarmee die neue Staatsbürokratie. Diese zog die Fäden in der Verwaltung der »Diktatur des Proletariats«, die als vorübergehende Regierungsform für den Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus geplant war. In Wirklichkeit war der neue Staat eine Art autoritärer »Garnisonsstaat«, der Sicherheitskräfte, Kampagnen und Säuberungen einsetzte, um jede rechte oder linke Opposition zu kontrollieren, zu bestrafen oder zu eliminieren.

1949 waren nach Jahren der Besatzung, des Krieges gegen die japanische Armee und des Bürgerkrieges große Teile der wirtschaftlichen Infrastruktur des Landes zerstört. Die KPCh-Führung versuchte zunächst, die Wirtschaft wieder aufzubauen und die Versorgung mit Grundgütern zu sichern. Sie führte eine Landreform durch, welche die Grundbesitzerklasse enteignete, aber die ländliche Ökonomie privater Bauernhöfe intakt ließ. Sie arbeitete auch mit Privatkapitalisten zusammen, solange diese sich nicht gegen das neue Regime stellten.

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