04.09.2017 / 10:55 Uhr

Abseits der Realität

Von
Thomas von der Osten-Sacken

Es ist keineswegs nur der SPD-Kanzlerkandidat, der dauern wiederholt, dass man das Iran-Abkommen nun als Blaupause für eine diplomatische Lösung mit Nordkorea nutzen sollte, ganz so als hätte es 1994 nicht ein Abkommen mit Nordkorea gegeben.

Bundeskanzlerin Merkel hält das Atomabkommen mit dem Iran für ein Vorbild zur diplomatischen Lösung des Nordkorea-Konflikts.

Die Raketentests in Nordkorea hätten zu einer sehr schwierigen Situation geführt, die es erforderlich machten, Abrüstungsbemühungen in Gang zu setzen, sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Video-Podcast. Beim Iran sei es durch gemeinsame Diplomatie gelungen, nach jahrelangen Verhandlungen ein Abkommen abzuschließen. Ähnliche Aktivitäten müssten jetzt auch mit Blick auf Nordkorea entwickelt werden.

Die Regierung in Teheran wird es freuen. Dem, von deutschen Politikern geforderten, neuen Abkommen mit Nordkorea wird dann in eine paar Jahren, wenn der Iran die Bombe haben wird, ein entsprechendes mit dem Iran folgen.

Man hat die Schlagzeilen aus dem Jahr 2020 förmlich vor Augen:

"Deutsche(r) Bundeskanzler(in) hält das Atomabkommen mit Nordorea für ein Vorbild zur diplomatischen Lösung des Iran-Konflikts.

Die Raketentests im Iran hätten zu einer sehr schwierigen Situation geführt, die es erforderlich machten, Abrüstungsbemühungen in Gang zu setzen. Bei Nordkorea sei es 2017 durch gemeinsame Diplomatie gelungen, nach jahrelangen Verhandlungen ein Abkommen abzuschließen. Ähnliche Aktivitäten müssten jetzt auch mit Blick auf Iran entwickelt werden."

Obwohl, sie werden doch anders lauten, denn schreiten Iran und Nordkorea weiter in so schnellen Schritten voran, so wird die Welt 2020 wohl in einem Zustand sein, der solche Schlagzeilen nicht mehr erlauben wird.