23.09.2017 / 10:42 Uhr

Amerikanische Iran-Politik: Ohne Strategie

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Aus dem Netz

Über das Dilemma amerikanischer Iran- und Nahostpolitik schreibt Andreas Rüesch in der NZZ:

Eine erfolgversprechendere Strategie begänne mit der Einsicht, dass Teheran das Atomabkommen vollkommen rational interpretiert hat, nämlich als Anerkennung Irans als regionale Führungsmacht. Entsprechend fühlte es sich angespornt, diese Rolle wahrzunehmen und das regionale Machtvakuum auszufüllen. In einem weiten Bogen von Jemen über den Irak und Syrien bis nach Libanon unterstützt das Ayatollah-Regime Schiitenmilizen, die sich als schlagkräftige Instrumente iranischer Machtpolitik erweisen. Hier müssten die USA ansetzen – und nicht bei der Atompolitik.

Besonders akut ist der Handlungsbedarf in Ostsyrien, wo Washington zu lange gezögert hat, die kurdisch-arabische Allianz als Gegengewicht zur Achse Damaskus–Moskau–Teheran aufzubauen. So steht Teheran nun kurz davor, im umkämpften Euphrat-Tal die letzte Lücke im ersehnten Landkorridor zwischen Iran und dem Mittelmeer zu schliessen. Dieser strategische Erfolg ist kein Zufall, sondern die logische Folge der Widersprüchlichkeit amerikanischer Politik. Denn Trump hat zwei Dinge versprochen, die unvereinbar sind: Härte gegenüber Iran, aber auch einen möglichst baldigen Rückzug aus Syrien. Solange dieser Zielkonflikt nicht gelöst wird, kann es auch keine kohärente Iran-Strategie geben.