Die deutsche Rechte feiert Donald Trump

Party im deutschen Trump Train

Die deutsche Rechte, von AfD bis NPD, feiert den Wahlsieg Donald Trumps. Sie erhofft sich viel vom künftigen US-Präsidenten.

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Aus dem deutschen Wagen im Trump Train dringt Partylärm. Der Sieg Donald Trumps in der US-amerikanischen ­Präsidentschaftswahl hat im Milieu von Pegida, AfD und Co. die Herzen höher schlagen lassen. Der politische Quereinsteiger hat geschafft, wovon man in Deutschland lange träumte: Er kaperte den etablierten republikanischen Konservatismus, setzte den Apparat der Grand Old Party außer Betrieb und stürmte unkontrolliert und ohne politisches Programm das Weiße Haus. ­Getragen wurde er von der Welle der Panik des weißen, krisengeplagten Mittelstands und des abgewickelten Proletariats. In seinen Auftritten scheute er keine Abgründe, Kritik an seiner maßlosen Rhetorik ließ er abprallen. Mit der Geste des konservativen Revolutionärs konzentrierte sich der Milliardär Trump auf die Agitation gegen Minderheiten und das »globalistische Establishment«, das dem einfachen Mann Jobs und Geld gestohlen habe. In seinen Auftritten überbot Trump noch die republikanische Oppositionsströmung Tea Party, die sich die nationalkonservative Junge Freiheit (JF) schon 2010 zum Vorbild erwählt hatte. In Deutschland erwies sich die CDU aber immun gegen einen innerparteilichen Putsch. Infolge des Scheiterns solcher Bestrebungen entstand die AfD, der die JF nun als Hausblatt dient.
Partei und Zeitung sehen nun die Chance zum Durchbruch im Windschatten des exzentrischen Amerikaners. Sein Krawallstil gilt jenen Rechten als vorbildlich, die den letzten Rest des bürgerlichen Konservatismus ab­gestreift haben. Gleich nach der Wahl brachte die JF unter dem Titel »Die ­Political Correctness ist am Ende« einen ausführlichen Gastkommentar von AfD-Bundessprecherin Frauke Petry. Ihrer Einschätzung nach wird der Sieg Trumps dem europäischen Nationalismus einen realen Machtzuwachs bescheren, da die europäischen Staaten nun »wieder mehr Verantwortung« für die Sicherheit in Europa übernehmen müssten. Da sei besonders Deutschland gefragt. Es ist zu befürchten, dass sie damit ebenso recht hat wie mit der Freude darüber, dass Trumps Vorbild den europäischen Rechtsparteien gehörig Auftrieb geben werde.
Etwas lieblos geraten ist indes der wenige Tage später veröffentlichte Kommentar von JF-Chefredakteur Dieter Stein. Angesichts des Wahldatums 9. November griff er die Rede von einem »zweiten Mauerfall« auf, der die »Mauer der Political Correctness« eingerissen habe. Es folgte ein Lamento über die »Gouvernanten der öffentlichen ­Meinung« und die »linken Intellektuellen«, die den Menschen ihre Sprache vorschreiben wollten. Nach diesen vorhersehbaren Bemerkungen fächelte Stein sich und den Seinen nochmal Morgenluft zu: »Mit Trump kippt eine politische Agenda, die uns bis zum Ende des Jahrhunderts vermeintlich ins Licht führen sollte: endgültiges Schleifen der Nationalstaaten, offene Grenzen für jeden, Relativierung und Auflösung des Religiösen, Abschaffung von Geschlechtern und traditionellen Familienbildern unter dem Diktat der Genderideologie, Energiewende und Klimarettung als alles überwölbendes eschatologisches Endziel.« Stein rattert wie im Schlaf die Reizworte seines Milieus herunter – etwas mehr Originalität wäre angesichts der ausgerufenen Zeitenwende schon angebracht gewesen.
Fast inhaltsgleich meldeten sich die anderen Medien des Milieus zu Wort, vom Magazin Compact bis zur Zeitschrift Sezession. In letzterer sieht Götz Kubitschek das Ende der »Facebook- und Jungle-World-Linken« gekommen. Sie habe »keine Berührungspunkte mehr mit der staatstragenden und produktiven Schicht« im Lande. Nun »entschlacke« diese Schicht hoffentlich »sowohl die Sprache als auch die wesentlichen politischen Entscheidungen der nahen Zukunft von aller Hypermoral«.
Mit politischer Korrektheit hatte der Sieg Trumps allerdings wenig zu tun, eher mit der alle Lager und Lebensbereiche beherrschenden Form des öffent­lichen Spektakels. Ein auf die Produktion von symbolischer Entrüstung und einprägsamen Bildern reduzierter Politikbetrieb muss sich am Ende gegen die Liberalen wenden. Bezüglich der Lautstärke war der Irrationalismus schon immer unschlagbar. Die Rechte hatte das erkannt. Als sicherster Beleg dafür gilt die Unterstützung Trumps durch Breitbart News, dessen Geschäftsführer Stephen Bannon im August 2016 als Kampagnenchef in Trumps Wahlkampfteam wechselte. Nils Wegner beschreibt für die Sezession, mit welchem strategischen Geschick der Nachrichtenkonzern die Schemata des Politikspektakels gegen dieses zu wenden wusste. So wurde dessen Offensive ­gegen die political correctness von Milo Yiannopoulus angeführt. Gegen diesen, »Sohn eines Griechen und Enkel einer Jüdin sowie offen Homosexueller mit Vorliebe für grelle Kostümierungen und muskulöse schwarze Männer«, kommentiert Wegner, »liefen liberale Feindmarkierungen ins Leere«.
Große Hoffnung gilt im Milieu zudem Trumps angekündigtem Rückzug der USA aus Europa. Das identitäre Nachwuchsblog Blaue Narzisse jubelte, mit der Wahl sei die Freiheit gerettet worden, auch in Europa werde es nun endlich ernst für den rechten Rand: »Antiglobalismus, Kampf gegen Multikulti, für nationale Souveränität und Identität, das alles ist aus den OnlineForen und alternativen Medien, aus den Aktivistengruppen und Kleinparteien auf die Bühne der großen Politik gerutscht.« Hofer in Österreich und Le Pen in Frankreich seien die nächsten Stationen, auch für Deutschland bestehe Hoffnung. Die europäische Anti-EU-Fraktion zählt auf Trump, wie schon sein gutes Verhältnis zu dem »Brexit«-Verfechter Nigel Farage zeigt. Der Ukip-Vorsitzende hatte Trump im Wahlkampf unterstützt und ihn als erster europäischer Politiker nach seinem Sieg besucht.
Von Trump wird ein deutlicher Schwenk in der amerikanischen Außenpolitik erwartet. Schon im Sommer beschrieb ihn Benedikt Kaiser in der Sezession aus »souveränistischer Perspektive« als die bessere »Alternative für Amerika«, im Gegensatz zu der »nach Interventionen dürstenden westlichen Universalistin Hillary Clinton«. Diese Einschätzung zählt zu den Hauptgründen für die Zuneigung der deutschen Rechten für Trump. Die NPD erhofft sich von ihm gar die Rückkehr zu den isolationistischen Leitlinien amerikanischer Außenpolitik vor 1917, wie sie in einer Stellungnahme nach der Wahl verkündete. Der Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg gilt der gesamten deutschen Rechten als Sündenfall der Vereinigten Staaten, da er den Sieg des Deutschen Reichs verhinderte. Erhofft wird außerdem die Beendigung der Ära des Freihandels, eine Annäherung an Russland und die Stärkung nationaler Souveränität.
Ob sich die Wünsche erfüllen werden, ist allerdings offen. Die Erwartungen an Trump sind hoch. Konkrete Fest­legungen waren während seines Wahlkampfs aber eher die Ausnahme. Trumps autoritäre Inszenierung könnte auch in eine aggressive Außenpolitik umschlagen. Wie die Sezession jedoch schon im Sommer einräumte, wird es mit einem US-Präsidenten Trump schwieriger für die deutsche Rechte, ihren liebgewordenen Antiamerikanismus zu pflegen.