Breitbart, Fox News und weitere US-amerikanische Medien am rechten Rand

Schluss mit Fairness

Das Vertrauen in liberale Medien ist bei konservativen US-Amerkianern gering. Am rechten Rand machen sich Medien wie Fox News oder Breitbart diese Vorbehalte zunutze.

Das Jahr 1987 veränderte Gestalt und Arbeitsweise US-amerikanischer Fernseh- und Rundfunksender zutiefst. In diesem Jahr hob die Federal Communications Commission (FCC), die US-­Behörde, die mit der Aufsicht über Radio, Fernsehen und ähnliche Kommunikationswege beauftragt ist, auf Druck des damaligen Präsidenten Ronald Reagan die sogenannte »Fairness Doctrine« auf. Sie stammte aus dem Jahr 1949 und schrieb vor, dass Radiosender auch von der redaktionellen Linie abweichenden Ansichten Sendezeit einräumen mussten. Seit 1987 durften die Sender parteiische Programme ausstrahlen.

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Einer der großen Gewinner dieser Deregulierung war der Radiomoderator Rush Limbaugh, der ein neues Format der politischen Talkshow schuf. Die »Rush Limbaugh Show« begann 1987 auf dem Sender KFBK im kalifornischen Sacramento und wurde binnen weniger Jahre zu einer Sensation. Limbaugh verglich Feministinnen mit Nazis, liebäugelte immer wieder mit rassis­tischen Klischees und attackierte die US-amerikanische Linke aufs Übelste. Er war der Erste, der sich »von den linksgerichteten Medien befreite«, wie der konservative Publizist Daniel Henniger im Wall Street Journal schrieb.

Alternative Wahrheiten. Anhänger der verschwörungsideologischen Plattform Infowars halten selbst den Fernsehsender CNN für eine Terrororganisation

Offensichtlich glaubten US-amerikanische Konservative schon damals, dass sie in einer Welt mediale Linksindoktrination lebten. Neun Jahre nachdem Rush Limbaugh erstmals auf Sendung gegangen war, wurden zwei neue Medienbereiche für die Rechten erschlossen, das Fernsehen und das ­Internet. Im Jahr 1996 gründete Roger Ailes, ein ehemaliger Wahlkampfhelfer Reagans, den konservativen Nachrichtensender Fox News. Ailes hatte ­erkannt, dass die etablierten Sender den rechten Rand des Publikums nicht bedienten. In der Clinton-Ära wurde Fox News als konservatives Gegengewicht zum Mainstream immer erfolgreicher, derzeit erreicht der Sender 95 Millionen Haushalte in den USA. Ebenfalls im Jahr 1996 gründete der konservative Internet-Pionier Matt Drudge die erste rechte Online-Medienplattform, den »Drudge Report«. Dieser berichtete am 17. Januar 1998 als Erster über Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinsky. Nur deshalb stieß die Washington Post auf das Thema.

In den USA entstand in dieser Zeit eine rechte kulturrevolutionäre Szene. Heute wimmelt es in US-amerikanischen Medien nur so von populistischen Querulanten. Besonders Fox News ist die Heimstätte erzkonservativer Einheizer. Zu den größten Berühmtheiten des Senders gehört der Verschwörungsideologe Sean Hannity, bis vor kurzem war zudem noch Bill O’Reilly dabei, dessen Karriere manche journalistische Fehler unbeschadet überstand. Dass der Sender sich am 19. April dieses Jahres dennoch von ihm trennte, lag daran, dass Fox News im Laufe der Jahre 13 Millionen Dollar Schweigegeld an fünf Frauen zahlen musste, die O’Reilly sexuell belästigt haben soll. So wurde der Sender seit einigen Monaten nicht mehr nur wegen seiner aufwiegelnden Berichterstattung kritisiert, sondern auch aufgrund seiner Tradition sexueller Demütigungen. Zwei Jahrzehnte lang waren Frauen bei Fox News sexuell ­angegriffen und erniedrigt worden, so auch die Moderatorinnen Gretchen Carlson und Megyn Kelly, die beide gegen den Sender und dessen nun verstorbenen Chef Roger Ailes klagten.

Im Oktober 2008 wechselte der Tea-Party-Hitzkopf Glenn Beck von seinem alten Sender CNN zu Fox News und wurde binnen weniger Wochen zu einem Star. Der radikale Endzeitprediger macht in seiner Fernsehsendung einerseits apokalyptische Vorrausagen – die USA würden bald pleite sein, außerdem gehe das Öl aus –, andererseits bezeichnet er den Klimawandel als linke Propaganda. Den Milliardär George Soros verunglimpfte Beck wiederholt. In einem zweiteiligen »Exposé« aus dem Jahr 2012 stellte er den jüdischen Holocaust-Überlebenden als einen Kollaborateur der Nazis und weltweit agierenden finanziellen »Strippenzieher« dar. Aufgrund dieser und ähnlicher Sendungen zogen sich mehr und mehr Anzeigenkunden von Fox News zurück. Trotz seiner beachtlichen Quoten wurde Beck für den Sender zu einem Problem. Er zog sich schließlich zurück und widmete sich seiner 2011 gegründeten Website The Blaze.

Fox News hat bewiesen, dass es für rechte Inhalte ein dankbares Publikum gibt. Aus diesem Grund sprießen seit Jahren neue Medien, die sich offenbar gegenseitig übertreffen wollen. Der neueste Sender der extremen Rechten heißt One America News (OAN) und hat seinen Sitz in San Diego. Hier preschen, ganz nach dem Vorbild von Fox News, attraktive Nachrichtensprecherinnen – wie Tomi Lahren oder Liz Wheeler – vor und beschimpfen allabendlich die angeblich empfindlichen »linken Schneeflöckchen«, die den Präsidenten kritisieren. Eine ernste Bedrohung für den Marktführer Fox ist OAN nicht. Die Sendungen sind billig produziert und erreichen nur zwei Prozent aller ­US-amerikanischen Haushalte.

Viel ist das Fernsehsyndikat Sinclair, dessen landesweites Netz kleiner ­Lokalsender 40 Prozent aller US-Haushalte erreicht. Mit dem geplanten Aufkauf weiterer Netze könnten es bald 70 Prozent werden. Firmengründer ­Julyan Sinclair lässt seinen Partnern vertraglich vorschreiben, dass sie mindestens einmal täglich Fernsehbeiträge ausstrahlen, in denen US-Präsident Trump in ein positives Licht gerückt wird, wie der Radiosender National Public Radio berichtete. Man muss bis ins 19. Jahrhundert zurückblicken, um in der ­US-amerikanischen Geschichte einen ähnlichen Lagerkampf der Medien zu finden, also in eine Zeit lange bevor die drei öffentlichen Fernsehanstalten ABC, CBS und NBC gegründet wurden und für eine Art nationalen Konsens sorgten. Jetzt ist es wieder wie in schlechten ­alten Zeiten. Die Medien sind vollkommen fragmentiert.

Insbesondere das Internet ist eine Fundgrube für die Anhänger rechter Hassprediger. Hier treffen sich Wertkonservative und Vertreter der sogenannten »Alt-Right«, einer rassistischen Bewegung. 2007 gründete Andrew Breitbart, der in den Neunzigern noch bei »Drudge Report« als Redakteur tätig war, seine eigene Online-Zeitung. Nachdem Breitbart im März 2012 an Herzversagen starb, übernahm Stephen Bannon das rassistische Online-Boulevardblatt und machte Breitbart zu ­einem Sprachrohr der Rechten im Internet. Mit seinen über 17 Millionen ­Lesern im Monat kann Breitbart durchaus mit etablierten Websites konkurrieren.
So führt die Spur vom rechten Rand der Gesellschaft direkt in die höchsten Kreise der US-Regierung. Heute sitzen im Pressezentrum des Weißen Hauses nicht nur Vertreterinnen und Vertreter der etablierten Medien, wie der New York Times oder der Washington Post, die Trump als »Fake News« bezeichnet, sondern auch Internet-Trolle und Blogger von rechtsextremen Websites wie Gateway Pundit und Infowars. Trump ist ein Produkt dieser neuen Medienlandschaft. Im Verlauf der Präsidentschaftswahl 2016 hat Trumps Wahlkampfberater Roger Stone den Kandidaten bewusst in Interviews mit Medien geschickt, die zur »Alt-Right«-Bewegung gehören. So kam es am 2. Dezember 2015 zu einem Gespräch zwischen Trump und Alex Jones von Infowars. Der Verschwörungsideologe behauptet beispielsweise, das Massaker von Sandy Hook, bei dem im Jahr 2012 ein geistesgestörter Gewalttäter 20 Kinder und sechs Erwachsene in einer Grundschule erschoß, eine Erfindung linker Medien sei – also ein Vorwand, um ­patriotischen US-Amerikanern ihre Waffen abzunehmen. Mit solchen Interviews fischte Trump Stimmen am äußersten rechten Rand. Das war Teil einer Strategie, wie Stone zugab: »Diese Leute sind vielleicht nicht sonderlich intellektuell. Aber sie sind Amerikaner, und sie wählen.«

Nachdem Trump gewählt worden war, folgte ihm Bannon ins Weiße Haus und damit schließt sich der Kreis. Rechte Medien sind zum Sprachrohr der Regierung geworden. Als am 23. Januar Kellyanne Conway, eine Spre­cherin des Präsidenten, im Fernsehsender CNN von »alternativen Fakten« sprach, war das kein Lapsus. In der rechten Medienwelt werden Märchen zu Tatsachen verklärt und die Welt wird auf den Kopf gestellt. »Fake News« sind hier nicht etwa die von der russischen Regierung in Auftrag gegebenen Pseudonachrichten, die Hillary Clinton im Wahlkampf schädigen sollten, sondern jede Form der kritischen Berichterstattung über den Präsidenten. Die Wähler Trumps konsumieren eine ganz andere Art von Nachricht, als der Rest der USA. Entsprechend paranoid ist ihr Weltbild. In Trump sehen sie ­einen unfairerweise verleumdeten Präsidenten, einen starken Mann, der in ihrem Sinne durchgreifen würde, sofern die Linke ihn nur ließe. Die neue Rechte ist fundamental antidemokratisch. Im Mittelpunkt steht eine xenophobe Ideologie. Das ist auch der Grund, ­weshalb der Russland-Skandal beiseitegewischt wird: Einer Umfrage des ­Meinungsforschungsinstituts Consult-Politico vom Mai dieses Jahres zufolge betrachten 49 Prozent aller Republikaner Russland als einen Verbündeten. Der Anteil der Republikaner mit einer positiven Einstellung zu Putin hat sich in den vergangenen zwei Jahren verdreifacht. Es gibt eine ideolologische Überschneidung zwischen dem Nationalismus von Wladimir Putin und dem von Trump. Einigen Medien gelingt es, diese in ihrem Sinne zu ­nutzen. Durch den jahrzehntelangen Einfluss eben dieser rechtsextremen Medien ist von dem intellektuellen, marktliberalen Konservatismus, der in den USA jahrzehntelang Tradition ­hatte, kaum noch etwas übrig.