Gefangene aus Frankreich

Die Angstmacher

Der französische Journalist Loup Bureau kam nach 51 Tagen Haft frei.

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LBAls am 17. September in der Brüsseler Hochschule für Soziale Kommunikation das akademische Jahr begann, fehlte ein Student im Lehrfach Journalismus. Der junge Journalist Loup Bureau, der für Arte, TV5 Monde und Slate arbeitet, war am 26. Juli in der Provinz Şırnak im türkischen Kurdengebiet bei einer Straßenkontrolle inhaftiert worden.

Auf allen Seiten kämpfen Kurden für die Unabhängigkeit, in Syrien als YPG, in der Türkei als PKK. Für den türkischen Staat sind sie alle Terroristen, wer über sie berichtet, macht sich schnell verdächtig, selbst einer zu sein. Türkische Reporter, sagte Bureau später, berichteten deswegen überhaupt nicht aus dieser Gegend.

Bureau arbeitete an einer Reportage für TV5, er wartete auf ein Visum für den Irak und reiste in die Türkei zurück, um eine Freundin zu besuchen. »Ich habe die kurdisch-irakische Grenze überquert«, berichtete er später. »Es ging los mit einer Visakontrolle. Außer Kontrolle geriet die Sache, als sie sich Zugang zu meinem Facebook-Profil und zu meinen Fotos verschafften.«

Die Polizisten stießen auf eine Reportage, die der damals 22jährige Bureau 2013 gedreht hatte. Bureau hatte dazu die meiste Zeit in YPG-kontrolliertem Gebiet verbracht. Immer wieder kommt in der Reportage das YPG-Logo ins Bild.

Für die türkischen Militärpolizisten war damit klar, dass er ein Terrorist ist. »Welche Ziele plant ihr anzugreifen?« wollten sie von ihm wissen. Dennoch setzten sie den Journalisten zunächst an einem Busbahnhof ab. Nach kurzer Zeit kamen die Militärpolizisten zurück: Sie hätten ihm noch einige Fragen zu stellen. Bureau verschwand in Polizeihaft. Die härteste Zeit, wie er sagt, denn er sei dort genauso behandelt worden wie die kurdischen Gefangenen, habe unter Fesselung, Raumenge und schlechter Ernährung gelitten, vor allem aber darunter, dass ihm jeder Kontakt verwehrt worden sei: zu Angehörigen, zum Konsulat, zu Anwälten.

Das blieb zunächst auch so, nachdem er nach sechs quälenden Tagen einem Richter vorgeführt worden war, der ihm in einer eine Viertelstunde dauernden Verhandlung den Vorwurf mitgeteilt hatte: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, wegen der Reportage von 2013, die damals auf TV5 Monde ausgestrahlt worden war.

Immerhin wurde Bureau dann in eine 12-Personen-Zelle verlegt, die er allein bewohnte – ein Zeichen, dass sich die französische Diplomatie in seinen Fall eingeschaltet hatte. Er bekam besseres Essen, durfte alle zwei Wochen für zehn Minuten mit seiner Familie telefonieren und alle paar Tage einen französischen Anwalt sprechen. Ende August wurde ein Antrag seiner Anwälte auf Freilassung abgelehnt, was normalerweise eine Haftverlängerung um mindestens einen weiteren Monat bedeutet.

51 Tage nach seiner Festnahme, wurde Bureau dann unerwartet einem Richter vorgeführt, der ihn über seine bevorstehende Freilassung informierte. Den Durchbruch hatte ein Besuch des französischen Außenministers Jean-Yves Le Drian in der Türkei gebracht. »Von da an ging alles in Blitzgeschwindigkeit«, sagte Loup Bureaus Vater den Medien. Immer noch in Handschellen wurde der Journalist noch einmal zurück ins Gefängnis gefahren, um seine Sachen zu holen. Erst als er auf dem Flughafen in der bereitstehenden Air-France-Maschine saß, fiel die Angst von ihm ab, die Uniformierten könnten noch einmal zurückkommen, um ihm »ein paar Fragen zu stellen«.

Und was hat dem türkischen Staat das alles gebracht, abgesehen von der gesamten Ausrüstung Bureaus – Kameras, Laptop, Reisegepäck –, die ihm Vertreter türkischer Behörden gestohlen haben? »Ein Signal der Einschüchterung«, sagt Pierre Haski, der Vorsitzende der französischen Sektion von »Reporter ohne Grenzen«: »Ein junger Journalist wurde missbraucht, um dem Ausland Angst einzujagen.« Sollte das Ziel gewesen sein, dass nach den türkischen Journalisten nun auch ausländische Reporter nicht mehr aus den kurdischen Grenzgebieten berichten, dann ist das – zumindest was Bureau angeht – gelungen: Nie mehr, sagte der junge Journalist, der schon aus vielen Kriegsgebieten der Welt berichtete, werde er in die Türkei zurückkehren.