Venga, Vienna & das Video

Party Politics

»We’re Going to Ibiza« wurde zur inoffiziellen Hymne der österreichischen Regierungskrise. Der Auftritt der Vengaboys in Wien zeigt, dass politischer Protest ohne Pop nicht gelingen kann.

»I’m blue da ba dee da ba da da ba dee da ba daa da ba dee da ba da«: Von diesem Refrain wurde man in den zu Ende gehenden neunziger Jahren überall wie ein paar Jahre später von dem blauen Crazy Frog aus dem ­Jamba-Sparabo überfahren. Der größte Hit der italienischen Gruppe ­Eiffel 65 hielt sich im Herbst 1999 wochenlang auf Platz eins der österreichischen Charts. Eurodance befand sich nach seinem Höhepunkt in den frühen und mittleren Neunzigern bereits in einer langen Afterhour. »Blue« war jedenfalls kein gutes Omen: Die FPÖ gelangte in Österreich erstmals zur Regierungsbeteiligung mit der ÖVP, die erste Auflage von Schwarz-Blau. Im selben Jahr waren auch die Vengaboys mit »We’re Going to Ibiza« in den österreichischen Charts platziert, allerdings nicht so weit oben.

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Die Bundesregierung unter Wolfgang Schüssel gelangte damals nur »underground« durch einen Tunnel zwischen Bundeskanzleramt und Hofburg zu ihrer Angelobung, sie wichen damit den damals noch mit Schillingen gekauften Eiern und Farbbeuteln der Demonstranten aus. In Wien etablierten sich in den nächsten Wochen die Donnerstagsdemonst­rationen gegen das »FPÖVP«-Bündnis, eine samstäglich stattfindende DJ-Reihe namens »Volkstanz« gesellte sich dazu. In die Designgeschichte des Protests eingegangen sind die ikonischen Buttons, die von der österreichischen Malerin Johanna Kandl entworfen wurden: blau-schwarz, durchgestrichen mit einem weißen Balken.

Die Vengaboys Ende der Neunziger in anderer Besetzung. Von links nach rechts: Yorick Bakker, Denise Post-Van Rijswijk, Kim Sasabone und Roy den Burger.

Bild:
action press / Ohlenbostel

Mit welchen kulturellen und musikalischen Bündnissen wird heute ­gegen die zweite Auflage des rechtsnationalistischen Regierungsbündnisses mobilisiert? Im Endspurt des Wahlkampfs zur wiederholten Bundespräsidenten-Wahl 2016 zauberte Alexander Van Der Bellen gegen den FPÖ-Kandidaten Hofer seine größte Waffe aus dem Hut, als er »I am from Austria« von Rainhard Fendrich in einem Werbespot verwenden durfte, diese zwar mit »kritischen« Worten gesprenkelte, im Grunde aber von allen akzeptierte heimliche Bundeshymne (»I bin dei Apfel du mei Stamm«). Bei den jüngeren Vertretern des Neo-Austropop (zum Beispiel Wanda) und in der sonstigen österreichischen Musiklandschaft kann man indes lange nach politischen Statements suchen. Ausnahmen wären wohl Nazar, der österreichische Rapper mit iranischem Hintergrund, der einst von Heinz-Christian Strache verklagt wurde, weil er ihn bei einem seiner Konzert »Hurensohn« nannte und sich auch auf Twitter zum politischen Geschehen oft deutlich zu Wort meldet, oder die Sängerin Soap & Skin, die die diesjährige Verleihung des österreichischen Musikpreises Amadeus boykottierte, weil sie in derselben Kategorie wie Andreas Gabalier nominiert war. Da spielt man gerne mal auf von Red Bull gesponserten Veranstaltungen, aber niemand stellt sich wie der schon erwähnte Fendrich mit Klampfe in guter alter Protestsong-Manier wie der junge Bob Dylan aufs Volkshilfe-Fest im Burgenland und kritisiert die Streichung der Mindestsicherung.

Denice Bourbon

Die Vengaboys bei ihrem Autritt in Wien.

Bild:
Denice Bourbon

Auch die PR-Kampagne für das neue Album der Popband Bilderbuch fand auf einer grundsätzlich abstrakten Ebene statt: Auf ihrer Internetseite konnte man sich selbst einen »Europa-Pass« ausstellen und direkt vor der Europawahl spielten sie zweimal vor dem Sissi-Schloss Schönbrunn (»Ich bin Maurice Antoinette«), auf das die gelben Sterne der EU-Fahne projiziert wurden. Wolfgang Tillmans beteiligte sich mit seiner betont coolen Europa-Plakat­aktion. Etwas mehr politische Spezifik hätten sie sich schon erlauben können, auch wenn in der »Brexit«-Dekade für manche schon der Signifyer »Euro« geradezu militant wirkt. Ebenso wird der ­Eurovision Song Contest, wir kommen darauf zurück, immer mal wieder zum Schauplatz subtiler und nicht so subtiler Kulturkämpfe. Von kleineren Indie-Acts hört man dagegen häufiger, dass das Management ihnen abrät, auf den seit 2018 wieder stattfindenden Donnerstagsdemos zu spielen. Es sei nicht gut, sich »parteipolitisch« zu äußern. Wobei die Frage bleibt, welche Partei die Donnerstagsdemo angeblich repräsentiert. Repräsentation, die alte Sau!

Wer könnte ­berufener sein, den Rechten ein Ibizaverbot auszusprechen, als queerverkasperte Partymonarchen.

Welche Pop-Musik-Formate passen also zur breiten Demokultur der Donnerstagsdemos, deren Teilnehmerschaft von Omas gegen rechts und queerfeministischer Antifa bis zur Muslimischen Jugend Österreichs reicht? Restbeständig ist Demofolklore vergangener Epochen auszumachen, aber die Glaubwürdigkeitsrituale sich selbst sehr ernst nehmender Authentizitätsdarsteller mit »Wut im Bauch« greifen schon lange nicht mehr. Das breite, über die Ablehnung der Regierung zustande gekommene Bündnis wird sich nicht weiterentwickeln, wenn es sich vor allem mit sich selbst unterhält und lang und breit das ausbuchstabiert, von dem eh alle wissen, dass sie es widerlich finden.

In diesem Sinne formulierten die Vengaboys kürzlich genau die richtige kommunikationsästhetische Maxime, als sie die »Vienna 2019«-Special-Edition-T-Shirts, auf denen nur das Logo der Band und die Aufschrift »Vienna 2019« zu sehen ist, in ihrem Onlineshop mit dem Slogan »Mak­ing a statement without spelling it out« bewarben, damit also weder in der redundanten Beschwörung eines breit geteilten Minimalkonsenses baden, noch wie Bilderbuch hinter der geometrischen Eleganz der Abstraktion verschwinden.

Purer Zufall hatte die Vengaboys, die seit Jahren mit ihrem Vengabus als hochgeachtete, aber nicht mehr besonders beachtete Partypeople im Eurodisco-Universum unterwegs sind, am 30. Mai zur Donnerstags­demonstration auf den Wiener Ballhausplatz gespült, um anlässlich des »Ibiza-Gate« des zu dem Zeitpunkt schon zurückgetretenen FPÖ-Parteiobmanns Heinz-Christian Strache ihren Hit »We’re going to Ibiza« zu spielen. Hätte Strache seine »Oligarchin« gleich in Moskau getroffen, hätten Blondie kommen müssen (»Contact in Red Square«). Vielleicht ist es aber doch kein Zufall, dass das Video, in dem der Vizekanzler mit dieser angeblichen Verwandten eines russischen Oligarchen Korruption im großen Stile plante, auf Ibiza aufgenommen wurde – schließlich scheint auch Strache auf genau das Amüsement scharf zu sein, für das die Balearen-Insel steht. Und wer könnte ­berufener sein, den Rechten ein Inselverbot auszusprechen, als dessen queerverkasperte Partymonarchen – und damit den balearischen Hedonismus wieder ins Recht zu setzen und von jenem kastrations­ängst­lichen Männerhedonismus zu befreien, der über lustfeindliche political correctness und Rauchverbote quengelt. Die Vengaboys waren sofort bereit, den Kalauer, den sich die Geschichte erlaubt hatte, aufzugreifen und leere Zeichen (eine Songzeile, einen Ortsnamen) mit prallem Leben zu füllen (Luftballons, Gummiboote und ihre bei vielen Partys bewährten, bündelweise ins Publikum geschossene »Vengadollars«).

Zum Auftritt der Vengaboys am 30. Mai in Wien kamen Tausende Menschen.

Bild:
picture alliance /APA / picturedesk.com

Wie geht Repräsentation, wie politische Kunst? Selten konnte man es so schön wie an den Vengaboys zeigen: Richtige Gesinnung und angestrengte Absichten reichen nicht aus.

Aber, ach, schon so oft als Loch in den Bauch gefragt: Wie geht Repräsentation, wie politische Kunst? Selten konnte man es so schön zeigen: Richtige Gesinnung und angestrengte Absichten reichen nicht aus. Die Situationskomik des Historischen hat ein Wörtchen mitzureden. Man muss nur virtuos genug sein, den Ball aufzunehmen, der den Vengaboys vor die Füße gespielt wurde. In wenigen Tagen hatten sie alles parat: Mit »Spassiwa Vienna! Grab those Vengadollars and buy yourself a news­paper!« spielten sie am Ende ihres Auftritts auf den Plan von Strache mit der »Oligarchin« an, sich die Kronen Zeitung zu propagandistischen Zwecken im Tausch gegen Staatsaufträge unter den Nagel zu reißen, und bliesen dazu die Venga-Dollarscheine aus den mitgebrachten Konfettikanonen ins Publikum. Dazu hatten sie in ihr standardmäßiges »Are you ready to party?«-Intro Audio­schnipsel aus der Berichterstattung (»Das sogenannte Ibiza-Video« ), ­O-Töne aus Straches Rücktrittsrede (»Sehr geehrte Damen und Herren, Österreich hat in den zurückliegenden Tagen ein politisches Erdbeben erlebt«) hineinmontiert. Niemand kam auf die Idee, sie unglaubwürdig zu finden, das Publikum bewies stattdessen vengaproofe Textsicherheit: Auf einem Schild las man, in Anlehnung an die Eröffnungszeile ihres Ibiza- Hits (»Don’t wanna be a busdriver all my life«): »Don’t wanna be a Bundeskanzler all my life«. Statt Überzeugung und Stallgeruch zu verströmen, hatten die Vengas einen kleinen historischen Kairos erkannt – jene durch Überdetermina­tion zustande gekommene besondere historische Gelegenheit, auf der die Althussers dieser Welt samt Schülern ihre Revolutionstheorie aufbauen. Diese Gelegenheit kann man nicht erzwingen, aber man muss sie ergreifen. Und was war die Woche zwischen Videoveröffentlichung des Strache-Mitschnitts und Vengaboys-Auftritt überdeterminiert!

Man erlebt in diesen Tagen ja ständig, wie ein großes entwickeltes Ego, eine tiefe Persönlichkeit eben keinen Schutz davor bietet, bei den Rechten zu landen, wie das Beispiel Morrissey lehrt. Wahrscheinlich konnte man auch deswegen »Nie wieder ist jetzt!« auf einem anderen Demoschild des Vengaboys-Protestpublikums lesen, so als würde es sich direkt gegen den Nigel-Farrage-Fan Morrissey in Anspielung auf seinen Song »How Soon Is Now« richten. Nicht die blöde alte Substanz der langen Bio zählte an diesem Abend auf dem Ballhausplatz, sondern die tänzerische Präsenz des Wissens aus dem Club. Die Schönheit des Auftritts der Vengaboys bestand gerade darin, dass sie als Nichtzuständige die richtigen Worte und Beats und Slogans fanden – und in gewisser Weise auch vorführten, dass nur die Worte von Nichtzuständigen linke Demos auf eine neue Ebene heben. Der historische Sinn der Ablösung von Rock durch Techno – und auf anderer Ebene von deep biographic shit durch Eurodisco – ist ja gewesen, von altmännlichen Persönlichkeiten auf gelenkige Vir­tuosität umzustellen. Nachdem dieses Programm schon lange vergessen oder schlafen gegangen ist, steht es seltsam wach mit einer Partytruppe aus dem letzten Jahrhundert wieder auf. Die Utopien des Popism sind halt noch immer nicht abgegolten.

Auch in München sorgte Strache für Slogans: Demonstration gegen Nationalismus am 19. Mai.

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picture alliance / NurPhoto

Seine latente Brisanz konnte man schon früher im Jahr in Österreich erfahren, als ein Establishment des Staubes und der Beharrlichkeit letztlich erfolgreich verhinderte, dass Hyäne Fischer (»Im Rausch der Zeit«) als österreichische Kandidatin für den Eurovision Song Contest 2019 in Is­rael auftritt: Den Statuten zufolge sei der Contest eine unpolitische Veranstaltung. Dabei ist der Wettbewerb mit dem mittlerweile inoffiziellen Titel »Gay Christmas« nach dem Zweiten Weltkrieg ausdrücklich als europäisches Friedensprojekt ins Leben gerufen worden. Das nachgerade rätedemokratische, europaweite Publikumsvoting gilt genauso viel wie die nationalen »Fachjurys« mit ihrer überholten Expertokratie. Vor zwei Jahren fand die Veranstaltung in Kiew statt, nachdem die Krimtatarin Jamala im Vorjahr in Stockholm mit ihrem Lied »1944«, einem Song über die Vertreibung ihrer Vorfahren unter Stalin, gewonnen hatte. Das gab Stress mit Russland. Der ORF war der Meinung, Österreich könne nicht durch eine Girlgroup mit von den Entscheidungsträgern als affirmierendem »Eva Braun«-Chic wahrgenommenen Auftreten aus dem Umfeld der Burschenschaft Hysteria dann auch noch ausgerechnet in Israel repräsentiert werden! Versuche von Musikjournalisten, mit etwas mehr Wissen um wohlbekannte subversive Formensprache, Hyäne Fischer über den Argumentationszaunpfahl Laibach oder über das ESC-spezifische Genre Camp-Folklore (Verka Serduchka etc.) zu erklären, bei dem trashig nationale Identität thematisiert wird, scheiterten.

Die Schönheit des Auftritts der Vengaboys bestand gerade darin, dass sie als Nichtzuständige die richtigen Worte und Beats und Slogans fanden.

Ein Foto der in Wien lebenden queeren Künstlerin Denice Bourbon brachte es schließlich auf den Punkt und verbreitete sich im Netz. Eine große Antifa-Flagge vorm Abendhimmel über Wien, so fotografiert, als hätte das lustige Quartett dahinter sie selbst gehisst. Ein Gruß an klassische Revolutionsikonen aus einem kurzen queersozialistischen Gegenwartsmoment.

Bald darauf gab es dann die neue österreichische Expertenregierung unter Österreichs erster Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, deren campy Rüschenblusen- und Stiletto-Glamour man irgendwo zwischen Opernball und »The Real Housewives of Beverly Hills« lesen könnte. Großer Fortschritt: nur noch ein Burschenschaftler und einst aktiver Neonazi in der Regierung. Hallo Linksruck! In Österreich gibt es leider keine Aussteiger-Hilfsorganisation wie Exit in Deutschland, für die Resozialisierung von Neonazis scheint blöderweise direkt das Parlament zuständig zu sein.

Die große »Makeover«-Show steckte Strache einst zack, zack, zack in Anzug und Krawatte und verpasste seiner Autobiographie schließlich den Titel »Vom Rebell zum Staatsmann«. Das Ganze funktioniert mit dem rhetorischen Element der »Jugendsünden«, wie Strache seine Vergangenheit mit Wehrsportübungen in den neunziger Jahren im Umfeld der rechtsextremen VAPO und Gottfried Küssel bezeichnete. Und schon ist man mittendrin im bürgerlichen Entwicklungsroman – dem großen Widerpart ewig ungebrochener ­Feierbereitschaft, wie sie die Vengaboys verkörpern. Dieser Roman offeriert Männern mit Vergangenheit – Frauen haben immer noch besser keine »Vergangenheit« – eine attraktive Kippfigur: Viel Vergangenheit steht für biographische Tiefe, die »Jugendsünde« kann so zugegeben und in »Erfahrung« umgemünzt werden – und wer ohne eine solche wäre, ist eh nicht vertrauenswürdig und hat irgendwie falsch gelebt. Apropos Jugendsünden: Erinnert sei an das »Geilomobil«, mit dem Sebastian Kurz früher mit der Jungen ÖVP herumfuhr – ein Wahlkampfauto mit der Aufschrift »Schwarz macht geil!«, sein Versuch, die konservative christlich-soziale Partei für junge Menschen attraktiver zu machen.

Die Rechten, so ein viel gehörtes Lamento, beherrschen ja angeblich ­alles, was mit (neuen) Medien zu tun hat, besser als ihre Konkurrenz. 2019 ist ein besonders gutes Jahr, um eine generelle linke Unfähigkeit in Techniken des Online-Populismus vor allem der Sozialdemokratie vorzuwerfen. Bemängelt werden Social-Media-Auftritte und dann die erschütternde Zahl 800 000 angerufen, so viele Follower nämlich hat die Facebook-Seite von HC Strache. Kein anderer Politiker und keine andere Politikerin kommt auch nur annähernd an die Reichweite dieses One-Man-Media-Outlets heran. Einen Tag nachdem Sebastian Kurz per Misstrauensantrag aus dem Bundeskanzleramt geflogen war, gab er sogleich 26 610 Euro für Werbung bei Facebook aus. Aber als Berufserwachsener (oder Erwachsenendarsteller?) distanziert Kurz sich mittlerweile vom Geilomobil – der Truck von damals kommt bestimmt nicht mal mehr in die Nähe vom Ballhausplatz. Denn Basti war ja angetreten, gegen jeden Stillstand anzukämpfen. Die Vergangenheit muss weg.

Die Vengaboys sind die lebende Jugendsünde und weigern sich, sich davon zu distanzieren. Seit 22 Jahren sind sie unterwegs, um die frohe Botschaft der Party zu verbreiten.

Nicht so die Vengaboys, die lebende Jugendsünde, die sich weigert, zum Kapitel in einer Biographie zu werden. Mittlerweile in ihren Vierzigern, sind sie seit 22 Jahren unterwegs, um die frohe Botschaft der Party zu verbreiten. Ihre Alben heißen »The Party Album«, »The Remix Album«, »The Platinum Album« und »The Xmas Party Album« – und auf allen von ihnen sind ungefähr dieselben Tracks, die sie dann in Wien spielten. Unter den vielen Schildern am kurzfristig für den Auftritt der Band umgewidmeten »Ballermannplatz«, nämlich vom »Fridays For Future«-nahen Klimaschutz-Logo bis zu »Kurz genug« und den »Wieder Donnerstag!«-Slogans wie »Fix zam!« wurde auch die Fahne eines Vertreters des österreichischen Ablegers der Satire­partei Die Partei geschwenkt, welche im Europaparlament übrigens genauso viele Sitze innehat wie die FPÖ, und beantwortete die Frage »Do you wanna party?« gleich mit ihrer Anwesenheit. Dieselben Leute, die der Linken vorwerfen, sich nicht zu vermarkten oder mit den (sozialen) Medien der Zeit umgehen zu können, warfen nun der Donnerstagsdemo genau das vor: Einzelne Artikel in der österreichischen Presse oder auch der Welt gingen mit rostigen Spektakelhämmern aus Debords Werkzeugkiste und Kulturindustriekeulen ans Werk, um den Organisatoren für die Einladung der Vengaboys eine »Verspaßung« und »Verwässerung« der politischen Anliegen zu bescheinigen. Sie hätten wahrscheinlich lieber »When the Ship Comes in« als »The Vengabus Is Coming« gehört. Sie sitzen damit genau der Bildungs­romanerzählung von fortschreitender Seriosität auf, die uns die biographischen Bestrebungen von Strache und Kurz andrehen wollen. Wie man indes im Ibiza-Video sehen konnte, ist deren eher verdruckster, heterosexistischer Hedonismus aus Jugend­tagen mit Geilomobil und Wehrsport alles andere als verschwunden, nur ist er zu einem veritablen Macht­rausch ausgewachsen, der nun keine Party feiern kann, ohne nicht nebenbei noch schnell das Wasser privatisieren zu wollen. Dann doch lieber Verwässerung.