Kein schöner Feiertag

Herrentag im Stadion

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Zu den abscheulicheren Feiertagen gehört definitiv Christi Himmelfahrt, beziehungsweise dessen ostdeutsche Ausformung, der sogenannte Herrentag, und ganz besonders abscheulich ist dieser Tag, weil er auf ­einen Donnerstag fällt, was nämlich dazu führt, dass der Drucktermin dieser Zeitung vorgezogen wird und man am Montagmorgen um zehn plötzlich unsanft darauf aufmerksam gemacht wird, dass die Kolumne noch nicht fertig ist, was bloß daher kommt, dass man sich diesen abscheulicheren Feiertag einfach nicht merken kann.

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Diesen Tag verbrachte ich übrigens vor vielen Jahren mal bei rund 30 Grad bei einem Fußballspiel, Union gegen BFC Dynamo, das insgesamt nicht sehr stilvoll war. Und das nicht nur, weil es im Presseraum nur eine einzige leere Flasche Wasser und ansonsten bloß Alkohol gab, sondern auch, weil die Polizei Unioner und BFC-Fans in einen gemeinsamen Block gesperrt hatte, was sich nicht die beste Idee des Tages zu erweisen versprach. Zumal genau dort auch ich stand, denn auf die Pressetribüne wollte ich nicht, weil langweilig und außerdem war ich ja empört, weil irgendein Kollege das Wasser ausgetrunken hatte. Also stand ich da und fühlte mich unwohl und sagte irgendwann, dass ich das alles nicht angenehm fände und mir die Gesamtsituation Angst mache, und ein sehr großer, sehr breiter Skinhead bot sich spontan an, mich nach draußen zu begleiten. Kaum waren wir aus dem Block raus, sagte er zu mir: »Jetzt kann ich es ja ­sagen, ich habe auch Angst«, und ich nickte, klar, und dann schoss der BFC ein Tor, und die Fans, die es ins Stadion geschafft hatten und nicht schon zuvor bei einer Bootsfahrt verhaftet worden waren, jubelten und wurden von den Unionern dadurch natürlich sofort erkannt, was zu sehr unschönen Szenen führte. Ich bin dann nach Hause gegangen. Herrentag ist viel Elend.