Manche Boxer schlagen auch im Privatleben zu

Demut, Kondition und kaputte Typen

Von Bienen und Schmetterlingen – die Boxkolumne.

Der Boxsport wird oft als sozialpädagogische Besserungsmaßnahme für kaputte Typen missverstanden. Er zieht viele junge Männer an, die nicht wissen, wie sie ihren Testosteronstau abreagieren sollen. Nicht nur naive Sozialarbeiter schwören auf die disziplinierende Kraft dieses Sports. Doch niemand wird ein guter Boxer ohne einen Hauch von Demut. Einsicht in die ­eigenen Unzulänglichkeiten ist eine Grundvoraussetzung des Trainings. Einem Sport ergeben zu sein, der seit 5 000 Jahren betrieben wird, ermöglicht es, die eigene Hochnäsigkeit, die zwangsläufig in Fahrlässigkeit mündet, zu reflektieren und schließlich abzulegen.

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Wer lernen will, sich selbst zu verteidigen, dem genügt ein Wochenendkurs Krav Maga oder Sambo. Wem es hingegen ein Bedürfnis ist, völlig enthemmt in drei Minuten einen Menschen durch den Ring zu prügeln, der muss zu den Freunden der Mixed Martial Arts (MMA). Das Aufeinandertreffen des Boxers Floyd Mayweather und des MMA-Kämpfers Conor McGregor vor drei Jahren im Ring bei einem Boxkampf verdeutlichte, dass es MMA-Kämpfer sehr eilig haben zu gewinnen. Kondition ist nicht ihre Stärke. Ihre Strategie ist in der Regel eindimensional: schnell die Oberhand gewinnen und den Gegner k.o. schlagen.
Der einstige Boxweltmeister Mayweather zeigte, dass zum Boxen etwas mehr gehört. Beweglichkeit und Gespür für die ­Situation sind Grundvoraussetzungen für einen guten Boxer. McGregor konnte nur durch den Wechsel des Auslegers für ­etwas Druck sorgen, ansonsten traf die Wucht seiner Angriffe zu selten das Ziel. Mayweather dagegen nutzte Taktik. Sein ­Gegner sollte sich auspowern. Dann erst kamen jene gezielten Schläge zum Einsatz, deren Wirkung letztlich zu seinem Sieg durch technischen k.o. führte.

Abseits des Rings standen beide, Mayweather und McGregor, wegen Gewalttätigkeiten in ihrem Privatleben vor Gericht. Ihre sportliche Sozialisation war dafür nicht ausschlaggebend. Kampfsporttraining kann den einen oder anderen Jungsporn vor grobem Blödsinn bewahren, aber eine Garantie gibt es dafür nicht.

Das war auch den Betreuern des deutschen Profiboxers Tom Schwarz klar. Ihre Hoffnung war es, dem talentierten Schwer­gewichtler langfristig Demut beizubringen. Dieses Vorhaben dürfte seit Pfingstsonntag als gescheitert gelten. Schwarz steht Presseberichten zufolge im Verdacht, seine ehemalige Freundin grün und blau geschlagen zu haben. Nach einem Streit soll er der jungen Frau auf einen Parkplatz gefolgt sein. »Dort sei es zu der Attacke gekommen«, berichtete die Volksstimme. Schwarz’ Boxstall SES reagierte sofort und stellte den 26jährigen vom Training frei. »Wir lehnen jede Form von Gewalt ab, da gibt es null Toleranz«, so der SES-Promoter Ulf Steinforth nach Bekanntwerden der Vorwürfe. Sollte Schwarz verurteilt werden, behalte sich SES weitere Schritte vor.