Eine Leseliste der extremen Rechten in den USA wird analysiert

Literatur als Waffe

Eine Leseliste der extremen Rechten zeigt den Zusammenhang zwischen deren Literaturvorlieben und Gewalt in der realen Welt.

Am 4. Mai veröffentlichten die beiden US-amerikanischen Rechtsextremen Milo Yiannopoulos und Michelle Malkin als Google Doc das, was sie ihre »America First«-Leseliste nennen, und bewarben diese dann in den sozialen Medien. Yiannopoulos fiel zuletzt damit auf, dass er Verschwörungstheorien über Covid-19 und die Proteste gegen Polizeibrutalität in den Vereinigten Staaten verbreitete. Malkin ist wohl am besten für ein Buch bekannt, in dem sie argumentiert, die Internierung von Japanese Americans in den USA während des Zweiten Weltkriegs sei gerechtfertigt gewesen. Wie Yiannopoulos verbreitete sie gefährliche Falschinformationen über Covid-19 und bezeichnete Demonstrierende der »Black Lives Matter«-Bewegung als »Eindringlinge« und »Plünderer«. Nichts davon ist überraschend bei zwei Menschen, deren Liste von Lektüreempfehlungen zahlreiche antisemitische Verschwörungstheorien, paranoide Invasionsphantasien und mindestens einen prominenten faschistischen Philosophen enthält, der ausdrücklich bestreitet, er müsse seine Ansichten ­empirisch begründen.

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Es ist verlockend, die Liste als den jüngsten Streich geltungssüchtiger Provokateure abzutun oder als Versuch, einem rassistischen und frauenfeindlichen Weltbild einen intellektuellen Anstrich zu geben. Es lohnt sich jedoch zu untersuchen, was die Literaturauswahl der beiden über ihre Ideologie und die dieser Ideologie unterliegenden Vorstellungen enthüllt und was diese mit Gewalt in der realen Welt verbindet.

Was ist »amerikanische Literatur«?
Mittels ihrer Liste versuchen Yianno­poulos und Malkin zunächst einmal zu bestimmen, was genau »amerikanische Literatur« ist. Und das, obwohl viele der Titel überhaupt nicht von US-Amerikanerinnen oder -Amerikanern geschrieben wurden: Den Verfassern der Liste geht es darum, die Vereinigten Staaten strikt als Fortsetzung des vormodernen Europa zu definieren, und daher überrascht es nicht, dass die Liste neben Americana wie »Huckleberry Finn« und »Paul Revere’s Ride« auch ältere kanonische Texte von Homer, Ovid, Augustinus und Shakespeare enthält. Sie enthält hingegen kaum noch modernere Literatur US-amerikanischer Autoren aus der Zeit nach den frühen sechziger Jahren (die zum Beispiel mit Ray Bradburys 1963 erschienenem ­Roman »Something Wicked This Way Comes« vertreten sind). Es findet sich nur eine Handvoll neuerer Romane – wie beispielsweise der im Selbstverlag erschienene, bemerkenswert schlecht geschriebene akzelerationistische Roman »Harassment Architecture« von Mike Ma aus dem Jahr 2019.

Unverkennbar soll einer jungen, überwiegend weißen und männlichen Anhängerschaft eine sehr eng gefasste Vorstellung von »amerikanischer« Kultur eingeimpft werden.

In einem mit den Worten »How to read« gekennzeichneten Reiter in dem Google Doc wenden sich Yiannopoulos und Malkin direkt an ihre Leser und schreiben: »Der Zweck dieser Liste ist es, Ihnen beim Aufbau einer Bibliothek zu helfen, die Ihnen eine solide Grundlage in Geschichte, Politik, Religion und Theologie bietet.« Diese »solide Grundlage« schafft es, den gesamten Reichtum schwarzer und indigener US-amerikanischer Perspektiven auszuschließen. In diesem Verständnis von moderner US-amerikanischer Literatur kommen weder Toni Morrison noch Leslie Marmon Silko vor, und unter den Klassikern finden sich weder Frederick Douglass noch W. E. B. Du Bois. Stattdessen wird eine virtuelle Gebrauchsanweisung für weißes Ressentiment und weiße Gewalt gegeben.

Invasionserzählungen
Nachdem sie festgelegt haben, dass das, was sie unter amerikanischer literarischer Kultur verstehen, sich im Kern und fast ausschließlich aus Europa ableitet, wollen sie als Nächstes Erzählungen von Invasion, Widerstand und Expansion Geltung verschaffen, die seit Jahrzehnten die Phantasie der extremen Rechten beflügeln. Das vielleicht deutlichste Beispiel einer Invasionserzählung in der Liste ist der Roman »Le Camp des Saints« (dt. »Das Heerlager der Heiligen«), den der im Juni verstorbene Franzose Jean Raspail 1973 veröffentlicht hat. Yiannopoulos und Malkin kategorisieren das Buch als must read, rechtsextreme Vordenker wie Steve Bannon und die Köpfe der »Identitären Bewegung« in Europa empfahlen die Lektüre bereits. »Le Camp des Saints« erzählt von einer »Armada« kaum seetüchtiger Boote voller verarmter indischer Migranten, die buchstäblich Fäkalien verzehren, wie Zombies in Europa einfallen und die weißen Bewohnerinnen und Bewohner verdrängen. Doch die wahren Schurken sind im gesamten Roman nicht so sehr die Migrantinnen und Migranten, sondern vielmehr die Medien, das politische und religiöse Establishment sowie die hedonistischen Aktivistinnen und Aktivisten, die sich für die namenlose, gesichtslose, dunkelhäutige Horde einsetzen. Letztlich läuft die Handlung des Romans auf eine aktualisierte Dolchstoßle­gende hinaus.

Viele extreme Rechte bezeichneten das Buch als prophetisch, als 2015 eine neue Migrationsbewegung an Europas Mittelmeerküste eintraf und im selben Jahr Donald Trumps Wahlkampf ebenfalls die Aufmerksamkeit auf undokumentierte Einwanderung lenkte – auf jene an der Südgrenze der Vereinigten Staaten. Pat Buchanan, der unlängst in einem Artikel über syrische Migranten auf Vdare, einer Website weißer Nationalisten, »Le Camp des Saints« als Metapher verwendete, hat zwei Einträge auf der Leseliste, von denen einer ebenfalls als must read geführt wird. Ein ­Titel des Vdare-Gründers und weißen Nationalisten Peter Brimelow findet sich ebenfalls.

Wem das immer noch zu subtil ist – die Invasionserzählungen fügen sich nahtlos in den Verschwörungsmythos vom »Großen Austausch« ein, der ­unter anderem der Legitimation des Massenmords in zwei Moscheen in Christchurch, Neuseeland, im März 2019 diente. Der Täter, Brenton Tarrant, nannte sein Manifest »The Great Re­placement« und schrieb: »Wir müssen die Einwanderung zermalmen und die Invasoren abschieben, die bereits auf unserem Boden leben.«

Der Widerstandsmythos
Im vergangenen Jahr haben Yiannopoulos und Malkin eng mit der »Groyper«-Bewegung zusammengearbeitet, die im Wesentlichen ein rebranding der Alt-Right ist. Nach dem tödlichen Angriff auf die Demonstration »Unite the Right« in Charlottesville, Virginia, im Jahr 2017 (ein Neonazis fuhr mit seinem Auto gezielt in eine Gruppe von Gegendemonstranten und tötete eine Frau, Anm. d. Red.) versuchten die Anhänger dieser Form des white nationalism, sich von ihrem alten Etikett zu distanzieren. Tatsächlich ist es der Podcast des führenden Groypers Nick Fuentes, dem die Bewegung – und die Leseliste – den Ausdruck »America First« verdankt. (Fuentes nahm an »Unite the Right« teil und übernahm den Ausdruck aus der Rede Donald Trumps zur Amtseinführung.) Unter den Groypers ist die überhitzte Rhetorik von Invasion und Bevölkerungsaustausch bereits fest etabliert. All jene anzugreifen – oder, wie sie sagen würden, »sich jenen zu widersetzen« –, die man für die ­Ermöglichung der »Invasion« verantwortlich macht, erscheint als logischer nächster Schritt.

Die Leseliste umfasst sowohl die »Rivolta contro il mondo moderno« (»Revolte gegen die moderne Welt«) des italienischen faschistischen Intellektuellen Julius Evola als auch das Manifest des sogenannten Unabombers Ted Kaczynski, »Industrial Society and Its Future« (Die Industriegesellschaft und ihre Zukunft). Jeder dieser beiden Texte ist für sich allein schon übel genug, aber miteinander in Verbindung gebracht bilden sie einen weiteren Hinweis darauf, dass die Liste eine theoretische Begründung und moralische Rechtfertigung liefern soll für gewaltsame Angriffe auf »moderne« Vorstellungen von Demokratie, Egalitarismus, Feminismus und Multikulturalismus. Evola beruft sich auf eine mythologisierte Vergangenheit des ungetrübten ­Elitismus und autoritären, maskulinen Heldentums, die es wiederherzustellen gelte (wobei er ausdrücklich jede Notwendigkeit empirischer Belege leugnet). Dagegen wettert Kaczynski, dessen 17jährige Bombenanschlagsserie drei Menschen tötete und 23 weitere verletzte, gegen eine »linke Psychologie«, die seiner Ansicht nach symptomatisch für eine kranke Industriegesellschaft ist. Wie viele zeitgenössische ­Reaktionäre verachtet Kaczynski die political correctness, die, wie er sagt, »ihre Hochburg unter den Universitätsprofessoren hat«. Nicht zufällig waren Universitätsprofessoren die häufigsten Ziele von Kaczynskis Briefbomben.

Die Liste enthielt ursprünglich auch noch explizitere Widerstandserzählungen, darunter »The Turner Diaries« von William Luther Pierce (der Eintrag wurde inzwischen ohne Erklärung entfernt). Es handelt sich um einen Roman über eine geheime Bewegung weißer Männer, die rassistischen Terror und Atomwaffen einsetzen, um die Vereinigten Staaten von jüdischen »Usurpatoren« sowie deren als hirnlos und sexsüchtig dargestellten schwarzen und lateinamerikanischen Lakaien »zurückzuerobern«. Der Autor war der Anführer der militanten weißen Rassistenorganisation National Alliance, sein Roman inspirierte die neonazistische Terrorgruppe »The Order«, auf deren Konto 1984 die Ermordung des Radiomoderators Alan Berg ging. Der Attentäter Timothy McVeigh schwor auf den Roman und reiste zu Waffenmessen, um ihn (und seine Fortsetzung »Hunter«) an Gleichgesinnte zu verkaufen. Bei dem von McVeigh und zwei weiteren Tätern 1995 verübten Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City starben 168 Menschen. Die Tat erinnerte an ­einen Anschlag, den die »Turner Diaries« ausführlich beschreiben. Die Ermittler fanden viele Auszüge aus dem Buch in McVeighs Fluchtauto. In Deutschland stößt man auf die »Turner Diaries« im Zusammenhang mit der rassistischer Terrorkampagne des NSU, der zehn Menschen tötete: Das NSU-Mitglied Uwe Mundlos übersetzte mehrere Kapitel des Buchs ins Deutsche, eine digitale Kopie fand man auf einer Festplatte in der Wohnung in Zwickau, die Mundlos und seine beiden Hauptkomplizen gemietet hatten.

Kreuzzüge und ExpansionIn der Leseliste stößt man auch auf Befürwortung für den Expansionismus, ein zentrales Thema des »klassischen« Faschismus. Es finden sich gleich mehrere Bücher, die gegen den schlechten Ruf der mittelalterlichen Kreuzzüge anschreiben. Diese sind im rechtsex­tremen Online-Diskurs ein allgegenwärtiger historischer Bezugspunkt, der Bilder der gewaltsamen Konfrontation zwischen westlichen Kriegern und muslimischen »Sarazenen« aufruft. Darüber hinaus verweisen die Leseliste und ihre Kommentierung ständig auf christliche Überlegenheit und deren Untrennbarkeit von der »westlichen« Identität. Ein weiterer must read-Titel erkläre, so der Kommentar in der Leseliste, »warum die edelsten Tugenden alle auf christlichen Prinzipien beruhen«; ein anderer zeige, »wie die christliche Revolution die westliche Vorstellungskraft schuf«. Willa Cather, die einzige weibliche Autorin auf der Liste, die keine rechte Polemikerin aus der Zeit nach der Bürgerrechts­bewegung ist, mag durchaus eine gute Schriststellerin sein, aber Yiannopoulos und Malkin interessiert an ihren Büchern deren Fokus auf »widerstandsfähige Frauen, die die Great Plains ­besiedelten«.

Die ständige Betonung des Heldentums europäisch-christlicher Kolonisatoren unter völligem Ausschluss jeglicher Stimme der von ihnen Kolonisierten zeigt, dass Yiannopoulos und Malkin eine bestimmte Art der Invasion für akzeptabel halten. Als Resümee lassen sich daher die aufgeführten Texte als Rechtfertigung aller vergangenen (und mutmaßlich auch der gegenwärtigen und zukünftigen) kolonialen Absichten »tugendhafter« westlicher Christen auf Kosten aller anderen lesen.

Antisemitismus, Antifeminismus, weißer Nationalismus
Nicht zuletzt ist die Liste voller antisemitischer Literatur (»Die Protokolle der Weisen von Zion«, Kevin MacDonalds »Culture of Critique« und tatsächlich sogar Hitlers »Mein Kampf«, obgleich der letztgenannte Eintrag inzwischen ebenfalls ohne Erklärung gestrichen wurde), maskulinistischer und antifeministischer Texte (Jack Donovans »The Way of Men« und mehrere Titel von Camille Paglia) sowie offener weiß-nationalistischer Tiraden von Leuten wie Jared Taylor, Vox Day und Ann Coulter. Der Kommentar von Yiannopoulos und Malkin ist diesbezüglich aufschlussreich. Sie räumen ein, dass die »Protokolle« eine Fälschung sind, sagen aber nicht, was ihrer Meinung nach ein Text, der im zaristischen Russland verfasst wurde, in einer Liste US-amerikanischer Literatur zu suchen hat. Sie beschreiben »Culture of Critique« als »höchst kontroversen historischen Überblick über die Wurzeln des Antisemitismus«. Diese Zusammenfassung ist bestenfalls grob irreführend. MacDonalds Buch ist weniger eine Untersuchung darüber, warum andere Menschen sich in der Vergangenheit gegen Juden gewendet haben, als vielmehr eine darüber, warum er glaubt, dass Juden gehasst werden sollten. Der Fokus liegt auf dem, was der Autor für jüdische Schuld hält, und nicht auf der Einstellung anderer Menschen zu Juden. Dies lässt sich bereits dem Untertitel des Buches entnehmen: »Eine evolutionäre Analyse der jüdischen Verwicklung in intellektuelle und politische Bewegungen des zwanzigsten Jahrhunderts.« Tatsächlich ist »Culture of Critique« das letzte Buch einer Trilogie, und die Untertitel der beiden anderen, »Judaism as a Group Evolutionary Strategy« und »Toward an Evolutionary Theory of Anti-Semitism«, verdeutlichen MacDonalds Auffassung, dass Juden von Natur aus, ja genetisch, dazu prädisponiert sind, getrennt von anderen Bevölkerungen, denen sie begegnen, eine subversive gemeinsame Identität aufrechtzuerhalten. Seine Analyse kreist meist um den »stammesbewussten« Charakter eines internationalen, kosmopolitischen Judentums.

Yiannopoulos und Malkin haben Vorwürfe, sie seien rassistisch, frauenfeindlich und antisemitisch, immer wieder von sich gewiesen, indem sie sich ihrer eigenen Version von Identitätspolitik bedienten. Wegen seiner zum Teil jüdischen Herkunft könne Yiannopoulos unmöglich antisemitisch sein; Malkin könne offensichtlich nicht frauenfeindlich sein, da sie eine Frau ist. Und niemals könne einer von beiden rassistisch sein. Yiannopoulos behauptete, er sei mit einem Schwarzen verheiratet (dessen Namen er nie preisgegeben hat und dessen Gesicht nie öffentlich gesehen wurde), während Malkin das Kind philippinischer Einwanderer und mit einem jüdischen Mann verheiratet ist. Yiannopoulos wurde jedoch von Twitter verbannt, weil er eine böswillige rassistische und frauenfeindliche Kampagne gegen eine schwarze Schauspielerin führte, und er wurde bekanntlich dabei gefilmt, wie er die patriotische Hymne »America the Beautiful« sang, während sein damaliger Freund Richard Spencer und andere white nationalists den Hitlergruß zeigten. Malkin wiederum hat offen antisemitische Verschwörungstheorien und die weiß-nationalistischen Bestrebungen der Groyper-Bewegung vertreten.

Metapolitik
Eines der wichtigsten Konzepte zeitgenössischer rechtsextremer Bewegungen wie der Alt-Right, der europäischen »Identitären Bewegung« und jetzt der Groyper ist das der »Metapolitik«. Es ist den Ideen des italienischen Kommunisten Antonio Gramsci aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts entlehnt. Als deutscher Nach­kriegs­apologet des Faschismus stellte Armin Mohler die Metapolitik rechtsextremen Kreisen vor. In seiner Dissertation von 1946 kodifizierte er den Begriff der »Konservativen Revolution« für die deutsche Zwischenkriegszeit. (Die Bezeichnung zielte darauf ab, eine Reihe deutscher rechtsautoritärer Strömungen nachträglich zu einer einheitlichen Bewegung zusammenzufassen und diese zu glorifizieren, Anm. d. Red.) Der Begriff der Metapolitik gewann in der europäischen extremen Rechten Popularität durch die Arbeit von Mohlers Zögling Alain de Benoist und dessen Konzept des »rechten Gramscianismus«. In der Praxis bedeutet rechtsextreme Metapolitik, rechtsextreme Ideen auf kulturellem Wege akzeptabler zu machen. Manche Anhänger des Konzepts sprechen auch davon, das »Overton-Fenster« zu verschieben, das die äußeren Grenzen des Akzeptablen in einem Diskurses bezeichnet.

Die »America First«-Leseliste fällt eindeutig in den Bereich der Metapolitik. Unverkennbar soll sie einer jungen, überwiegend weißen und überwiegend männlichen Anhängerschaft, die bereits zu rassistischen und geschlechtsspezifischen Ressentiments neigt, eine sehr eng gefasste Vorstellung von »amerikanischer« Kultur einträufeln. Wie man von Christchurch bis El Paso, von Oslo bis Pittsburgh sehen konnte, neigt diese Kohorte bereits zu explosiver und tödlicher Gewalt.

Man kann die Leseliste als eine ­weitere Manifestation der rechtsextremen Echokammer und des Aufmerksamkeitsstrebens von Menschen wie Yiannopoulos und Malkin abtun. Sie bietet jedoch auch nützliche Einblicke in das Weltbild ihrer Groyper-Anhängerschaft und ähnlicher rechtsextremer Sekten sowie in die Wege, auf denen diese Ideologie zu realer Gewalt führt. Drei Jahre nach »Unite the Right« und inmitten einer Pandemie und eines heftigen Schubs in Richtung antirassistischer sozialer und politischer Ver­änderungen ist ein Verständnis davon, wie die extreme Rechte mittels meta­politischer Konzepte von Invasion, Widerstand und Expansion ihre Wert­vorstellungen zu verbreiten sucht, nach wie vor eine notwendige Voraussetzung, um diese zu bekämpfen.

Dieser Artikel erschien am 5. Juli auf dem ­Online-Portal Truthout und wurde leicht ­gekürzt. Übersetzung: Carl Melchers