Die Boxkolumne - Kampfkoch gegen Boxer

Profiboxer gegen Kampfkoch

Von Bienen und Schmetterlingen – die Boxkolumne.

Während es im Boxring langsam wieder losgeht – die ersten Kämpfe mit Zuschauern nach der Coronapause fanden im Juli auf der Seebühne Magdeburg statt –, knallt es heftig in der Promozone. Die interessanteste Celebrity-Paarung in Deutschland ist derzeit das auf Twitter wortreich heraufbeschworene Auf­einandertreffen von Profiboxer Ünsal Arik und Kampfkoch Attila Hildmann. Die beiden Veganer kennen sich schon länger. Seit aber Hildmann dank der Verbreitung wirrer Verschwörungsmythen häufig im Rampenlicht steht, versucht Arik, von dessen Prominenz zu profitieren.

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»Ich setze mich seit Jahren für Demokratie in der Türkei ein, bin gegen jede Art von Rassismus und Faschismus«, beginnt Ariks Kampfansage. »Ich kann doch nicht entspannt zuschauen, wie Hildmann so einen Nazimist in der Öffentlichkeit von sich gibt. Deshalb habe ich ihn angerufen und ihm gesagt, dass ich ihm eine verpasse. Egal, wann und wo ich ihn in Berlin sehe«, sagte der Europameister im Superweltergewicht in einem Gespräch mit Bild.

In den sozialen Medien legte der Anhänger von Kemal Atatürk und Erdoğan-Gegner noch eine Schippe drauf. Er bezeichnete Hildmann wiederholt als »eingekauften Deutschen« und machte sich über das angebliche Übergewicht des »Gesundheitskochs« lustig. »In die Richtung, in die du gerade gehst, gefällst du mir überhaupt nicht«, so der 39jährige Arik in einem auf Twitter verbreiteten Video. »Cholesterin und ein Herzinfarkt sind echt gefährlich bei Übergewicht, aber ich kann dir das auch alles in einem Vieraugengespräch erzählen.« Der frühe Tod seines Adoptivvaters durch einen Herzinfarkt vor 20 Jahren war für den ebenfalls 39jährigen Hildmann nach eigener Aussage der Anlass für die Umstellung seiner Ernährung auf vegane Kost.

Ariks wohlkalkulierter Diss verfing bei dem peinlichsten Berliner des Jahres 2017. Statt den Boxprofi auflaufen zu lassen, drohte Hildmann damit, ihm sein Küchenmesser in den Hals zu rammen, falls er sich ihm nähere. Trotz dieser Drohung ging Arik Ende Juli zu einer von Hildmann organisierten Demon­stra­tion in Berlin. Es kam jedoch nicht zu einem Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten. Die selbsternannte »Ein-Mann-Armee« Arik gab Interviews, während Hildmann nicht auftauchte.

Ein juristisches Nachspiel wird es voraussichtlich trotzdem geben. »Mir wurde geraten, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten«, sagte Arik dem Newsportal Der Westen. Diesem Rat folgte der Faustkämpfer. Nach eigenen Angaben hatte er ein stundenlanges Gespräch mit LKA-Beamten. »Ich bin wohl nicht der einzige, der Drohungen erhalten hat.« Hildmanns frühzeitiger Knock-out lässt noch auf sich warten.