Small Talk mit der Initiative Sommerpaket über die Kündigungen in der Wiener Wohnungslosenhilfe

»Das Rote Kreuz sieht es nicht gerne, wenn Mitarbeiter sich politisch engagieren«

Mehrere Mitarbeiter der Wiener Wohnungslosenhilfe, die im Rahmen des sogenannten Winterpakets des Österreichischen Roten Kreuzes beschäftigt waren, erhielten im Oktober die Nachricht, dass sie für die Wintersaison nicht wieder eingestellt werden könnten. Sie ver­muten, dass die Kündigungen mit ihrem Engagement bei der Initia­tive Sommerpaket zusammenhängen, die sich für bessere Arbeits­bedingungen in der Wohnungslosenhilfe einsetzt. Die »Jungle World« hat mit der Initiative gesprochen.
Small Talk Von

Vergangene Woche protestierte die Initiative Sommerpaket gemeinsam mit der Initiative »Sozial, aber nicht blöd« und dem »Wiener Arbeiter*innen-Syndikat« gegen die Kündigung von sieben Mitarbeitern des Winterpakets. Mit welcher Begründung hat das Rote Kreuz die Betroffenen nicht wieder eingestellt?

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Die Hausleitung des Winterpakets hat uns benachrichtigt, dass sie uns nicht mehr anstellen kann, und zwar auf Anraten der Bereichsleitung aus ihnen nicht näher bekannten Gründen. Wir haben dann bei der Hausleitung angerufen, die uns sagte, dass ihr zwar keine konkreten Gründe genannt wurden, sie aber wisse, dass in der Vergangenheit mehrere Punkte immer wieder thematisiert wurden – darunter vor allem das Engagement der Mitarbeiter bei der Initiative Sommerpaket. Das habe größere Wellen geschlagen und das wolle die Bereichsleitung in dieser Form nicht mehr.

Was fordert die Initiative Sommerpaket?

Die Initiative haben Mitarbeiter des Winterpakets gegründet, um sich für Sommernotquartiere für Obdachlose einzusetzen. Das Winterpaket in Wien endet jedes Jahr Ende April. Im Sommer gibt es in der Stadt kaum niederschwellige Notquartiere. Und zweitens setzt sie sich auseinander mit den Arbeitsbedingungen in der Wohnungslosenhilfe in Wien.

Die Initiative hat sich im Frühjahr 2019 gegründet. Hat es deswegen schon einmal Auseinandersetzungen mit dem Roten Kreuz gegeben?

Im März haben wir einen Brief wegen der schwierigen Bedingungen während der Pandemie geschrieben. Deswegen wurde uns nicht zum ersten Mal signalisiert, dass die Bereichsleitung sehr wütend ist. Wegen solcher Fälle war es uns immer wichtig, dass die Initiative im Vordergrund steht und die einzelnen Beteiligten anonym bleiben. Wir wissen, dass das Rote Kreuz es nicht gerne sieht, wenn Mitarbeiter sich politisch engagieren, und dass es sich durch eine Initiative, die sich mit den Arbeitsbedingungen in dem Bereich auseinandersetzt, bedroht fühlt.

Was ist an den Arbeitsbedingungen in der Wohnungslosenhilfe problematisch?

Das ist ein spezifisches Problem des Winterpakets, das ja immer nur für ein halbes Jahr läuft. Die Leute, die dort arbeiten, werden also immer nur für sechs Monate angestellt. Und das kann dann zur Folge haben, dass, wie jetzt, einer von uns, der fünf Jahre beim Winterpaket gearbeitet hat, auf einmal nicht mehr eingestellt wird. Rechtlich ist das legitim. Wären wir angestellt, hätte die Bereichsleitung uns schriftlich konkrete Gründe vorlegen müssen, warum sie uns kündigt. Das musste sie in diesem Fall nicht. Wir haben rechtlich also nichts in der Hand, um zu sagen: Nein, stopp, das ist eigentlich eine Frechheit.