Das Verhalten in der Pandemie unter solzialpsychologischer Analyse

Widersprüche aushalten

Sozialpsychologische Ansätze können helfen, das Unbehagen in der Pandemie zu verstehen und es in Solidarität zu wenden.

Über die weihnachtlichen Feiertage und den Jahreswechsel wurde in ­besonderem Maße spürbar, dass die Covid-19-Pandemie die sozialen Beziehungen umfassend beeinflusst. Bei Gelegenheiten, zu denen man andere Menschen trifft und mit ihnen feiert, wird die Abwägung zwischen dem ­Bedürfnis nach Nähe und dem damit verbundenen Infektionsrisiko noch schwieriger als im Alltag. Die Paradoxie, Wertschätzung durch den Verzicht auf eine leibhaftige Begegnung auszudrücken, irritiert.

Auch in der sozialwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Pandemie wird die Frage aufgeworfen, wie sich die Kontaktbeschränkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen auswirken. In einem Zwischenbericht zur als Online-Umfrage durchgeführten empirischen Studie »Liebe, Intimität und Sexualität in der Covid-19-Pandemie« weist die Soziologin und Sexual­pädagogin Barbara Rothmüller darauf hin, wie unterschiedlich die Veränderungen der sozialen Kontakte während dieser Pandemie erlebt werden.

Die Studie stellt fest, dass Erfahrungen von Intimität und Lebensfreude seltener geworden sind, insbesondere bei Personen, die nicht in bürgerlichen Familienverhältnissen und monogamen Beziehungskonstellationen leben. Knapp ein Viertel der 4 706 Befragten verortete sich jenseits von binären Geschlechtsidentitäten und heteronormativen Sexualpräferenzen. Dadurch lässt die Studie aussagekräftige Schlüsse darauf zu, wie einige gesellschaftlich marginalisierte Gruppen die Beziehungsgestaltung während der Pandemie erleben. Etwa drei Viertel der Teilnehmenden befürchten das Anwachsen gesellschaftlicher Ungleichheit, mehr als zwei Drittel engagieren sich gegen diese Gefahr durch Nachbarschaftshilfe, emotionale Unterstützung, Spenden oder politische Aktivitäten.

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