In Russland gestrandete Kubaner sind auf Hilfe angewiesen

Zu Gast beim Seelensammler

Sie können nicht ausreisen, dürfen aber auch nicht arbeiten: Kubaner in Russland sind auf Hilfe angewiesen. Die gewährte unter anderem ein esoterisch gesinnter angeblicher Sohn Fidel Castros.

Das Tor zur Straße steht offen. Niemand scheint den Eingang zu kontrollieren. Auf dem Bauzaun prangt die Aufschrift PIK – das ist der größte Immobilienprojektentwickler Russlands, zu dessen Objekten auch der riesige Wohnblock im Südosten Moskaus gehört. Arbeit findet hier jeder, ob mit Arbeitserlaubnis oder ohne, auch Yorgeidys Lavastida, von seinen Freunden einfach nur El Zurdo genannt, und Roandy Hernández Sinaser. Die beiden kräftigen Kubaner sind auf der Baustelle allerdings Exoten.

Um uns miteinander bekannt zu machen, verlassen die beiden kurz das Gelände. Es dauert nur wenige Minuten, bis ein Wachmann mit Mundschutz schnellen Schrittes heraneilt. Er will wissen, was zum Teufel wir hier zu suchen hätten und wer das genehmigt habe, und teilt mit, dass Fotografieren verboten sei. Mit freundlichen Worten hält er sich nicht auf, er droht mit der Polizei und ruft einen Vorgesetzten an. Damit hat sich das Gespräch erledigt. El Zurdo schreibt eine halbe Stunde später, alles sei in Ordnung, sie hätten den Konflikt beigelegt. Aber gar nichts ist in Ordnung. Tags darauf werden er und Sinaser gefeuert.

So prompt gefeuert zu werden, das erleben Kubaner in Russland schon seit etlichen Monaten. Sie mögen krisenerprobt sein, aber die rauen Umgangsformen stellen sie auf eine harte Probe. Am 18. März wurden wegen der Covid-19-Pandemie die Grenzen geschlossen, eine Rückkehr nach Kuba war damit bis auf Weiteres unmöglich. Kubanische Staatsbürger dürfen sich als Touristen visafrei drei Monate lang in Russland aufhalten. Aber nicht Sehenswürdigkeiten oder winterliche Natur­erlebnisse locken sie hierher, sondern die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Doch der Lockdown machte ihre kargen Verdienstchancen zunichte.

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