Wenn Atemwolken farbig wären

Orangene Wolken, vernebelte Gemüter

Das Medium Von

Wie lange es abends nun schon hell ist, und wie sehr man sich immer noch darüber freuen kann, obwohl es doch eigentlich keine Überraschung mehr sein dürfte, dass die Zeit der Finsternis nie endlos ist, sondern vorübergeht.

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Und nun kann man schon wieder in der Sonne spazieren gehen und abstandslose Menschenmassen betrachten und sich ärgern, dass das blöde Virus keine Farbe hat, weil große, vielleicht giftig-orange gefärbte Atemluftwolken vieles einfacher machen würden. Andererseits wären die dann sicher auch bloß von Bill Gates erfunden, und von George Soros, natürlich. Irgendwer würde dann auf Youtube ein Vermögen mit Anleitungen verdienen, wie man im Falle einer Infektion das Orange in unbedenkliches Lila umfärben kann, woraus dann umgehend eine aus den üblichen Hippies, Nazis und sonstigen Trotteln bestehende lila atmende Volksbewegung entstehen würde. Und dann müsste man sich bloß wieder darüber aufregen, wie lange es dauert, bis das allgemein bemerkt wird, und natürlich auch über die unweigerlich folgenden apologetischen Zeitungs-, Radio-, und Fernsehkommentare, in denen dazu aufgefordert wird, die Lila-Atmer ernst zu nehmen und sie nicht auszugrenzen. Was dazu führen würde, dass sie umgehend in allen Talkshows sitzen und sich lang und breit und lila darüber beschweren würden, dass sie nirgendwo Gehör finden, und dann müsste man sich gleich noch ein bisschen mehr aufregen, was nun auch nicht schön wäre.

Deswegen ist es gar nicht so schlecht, dass das Virus keine Farbe hat, zumal es ja nun abends immer länger hell sein wird und man während der unzweifelhaft folgenden dritten Pan­demiewelle zu Hause das Licht erst später anmachen muss. Auch gut, spart man halt Stromkosten und kann sich was Schönes kaufen, später, wenn die Läden wieder aufmachen. Viel später.