Das Zauberwort lautete »hitzefrei«

Das Beste am Sommer

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Es war wirklich sehr, sehr warm, und das schon ganz früh am Morgen. Auf dem Weg zur Schule wimmelte es nur so vor schwitzenden Erwachsenen in leichter Sommerkleidung und die Schülerlotsen, die normalerweise gut sichtbar auf dem Bürgersteig herumstanden und gern ihre Uniformen präsentierten, hatten sich in den Schatten verzogen. Der Tag versprach, aufregend zu werden, vielleicht würde es heute passieren. Nicht der erste Kuss, der war als achievement schon lange abgehakt, auf der Klassenfete, letzten Winter. Nun waren es nur noch ein paar Hundert Meter bis zur Schule, und die zur ersten Stunde dort Erwarteten waren eine beständig durch den Zustrom aus den Seitenstraßen an­gewachsene Masse geworden, die nur ein Thema kannte: Würde es heute vielleicht endlich, endlich hitzefrei geben?

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Hitzefrei war früher in der Grundschule ein überraschend her­einbrechendes Ereignis gewesen, aber nun im Gymnasium gab es Leute mit Spezialwissen, die ihre wertvollen Kenntnisse nur zu gern teilten, und deswegen wussten alle, wann mit hitzefrei zu rechnen war. Jedenfalls ungefähr, ein Thermometer hatte 25 Grad im Schatten zu zeigen, allerdings wusste niemand genau, welches. Das in Pavillon I war es jedenfalls nicht, das hatten vorige Woche Experimente größerer Jungs mit Feuerzeugen ergeben.

Und dann wurde herumgesessen, Mathe, Latein, Deutsch, alles rauschte durch die wabernd warmen Klassenräume, bis endlich ein Knacken in der betagten Lautsprecher­anlage eine außerplanmäßige Nachricht ankündigte. Nach einigen »krchs« und »chkrs« war es dann wirklich soweit, die stellvertretende Direktorin verkündete, dass es hitzefrei gebe. Und dann schlenderte man gemütlich durch das Städtchen und setzte sich vor dem Eissalon in die Sonne, bevor man die Badesachen holte und sich im örtlichen Schwimmbad sonnen ging; heiß war es nämlich bloß in der Schule, hier draußen in der Freiheit herrschte dagegen einfach nur Sommer, und wie könnte es im Sommer zu warm sein?