Stormy Daniels will nicht mehr schweigen

Der aufkommende Sturm

Der US-amerikanische Pornostar Stormy Daniels behauptet, im Jahr 2006 eine Affäre mit Donald Trump gehabt zu haben. Den Vertrag, der Daniels zum Schweigen verpflichtet, will sie nun per Klage für nichtig erklären, während das Weiße Haus den gesamten Vorfall dementiert.

Die derzeit beste Chance, Donald Trump loszuwerden, besteht nicht unbedingt in den Untersuchungen des jederzeit absetzbaren Sonder­ermittlers Robert Mueller, über die Verbindungen zwischen Trumps Wahlkampfteam und russischen Stellen. Mit etwas Glück ist es vielmehr ein Vertrag, den ein Porno­star namens Stormy Daniels wenige Wochen vor dem Wahltermin 2016 unterschrieben hat. Darin verpflichtet sich die Frau, die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heißt, ­gegen Zahlung von 130 000 Dollar Stillschweigen über ihre Affäre mit Trump im Jahr 2006 zu bewahren. Nun aber möchte sie diesen Vertrag für null und nichtig erklären lassen.

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»A Stormy Daniels Drama!« kündigte bereits 2011 der Vorspann des Films »The Escort« an, in dem Daniels Regie führte und die Hauptrolle spielte. Er beginnt mit einem – sagen wir, wie es ist – nicht voll erigierten Penis, an dem sich Stormy Daniels zu schaffen macht. Der dazugehörige Mann liegt gemeinsam mit ihr auf nicht sehr ansehnlicher grün-weiß-dunkelblauer Bettwäsche und schaut zwischendurch besorgt auf sein immer mal wieder vor lauter Nichtekstase hin- und herwackelndes Geschlechtsteil. Vier Minuten später ist Stormy Daniels immer noch damit beschäftigt, sich an dem unwilligen Penis abzuarbeiten. Sie wirkt dabei nur mäßig stürmisch, aber dass sie ihren Künstlernamen als Wetterreminiszenz gewählt hat, gehört ohnehin zu den großen über sie kursierenden Irrtümern. Stormy Daniels heißt so, sagt sie selber, weil sie großer Mötley-Crüe-Fan ist und deren Bassist Nikki Sixx einen seiner Söhne Storm genannt habe. Das ist Unsinn, denn nur seine Tochter trägt den Vornamen Storm, aber gemessen an dem Unfug, den Trump tagtäglich erzählt, ist das Durcheinanderbringen der Kinder des Rockstars nicht weiter dramatisch.

 

Dass der Präsident der Vereinigten Staaten ein intimes Verhältnis mit einem Pornostar hatte, ist kein Grund für einen Rücktritt oder eine Amtsenthebung. Wie auch ein Verschwiegenheitsvertrag keiner ist – eigentlich. Im Fall Stormy werfen Vertrag und Zahlungs­modalitäten jedoch ethische und sicherheitstechnische Fragen auf.

 

Außerdem hat die Frau ja nun wirklich anderes zu tun, als sich um solche Details zu kümmern. Ab ihrem 17. Lebensjahr sorgte Daniels selber für ihren Lebensunterhalt, zuerst als Stripperin in ihrer Heimatstadt Baton Rouge, dann als Pornodarstellerin. Mit ihren Eltern hat sie seit 2006 nicht mehr gesprochen, was sich so schnell vermutlich auch nicht ändern wird, denn Mutter Sheila Gregory ­erklärte vorige Woche in einem Interview mit der Dallas Morning News, sie sei ein großer Fan von Trump. »Wenn Mr. Trump noch viermal zur Wahl stehen würde, würde ich jedes Mal für ihn stimmen«, betonte sie, und erzählte weiter, wie fürchterlich es nun für sie sei, die Tochter ständig im Fernsehen zu sehen. Auch, weil Freunde ständig sagen würden: »Ich kann nicht glauben, was aus dem Kind geworden ist, dabei hast du es doch so gut erzogen.« Stormys – nach der Scheidung der Eltern meist abwesender – Vater Bill Gregory ­äußerte sich im selben Interview besorgt. Nicht wegen ihres Berufs: »Natürlich möchte kein Vater, dass die eigene Tochter Pornostar wird, aber sie ist erwachsen und kann tun, was sie möchte.« Sorgen macht er sich viel mehr um ihre Sicherheit, denn: »Wenn man an den Gitter­stäben der Käfige mächtiger Leute rüttelt, weiß man nie, was alles ­passieren kann.«

Das ist eine schöne Metapher, die auch zu dem passt, was Daniels im Film jenem Penis antut. Und, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, auch dem von Trump – nein, das ist nichts, was man sich vorstellen möchte. Nach gut zehn Minuten kommt es im Film zum ersten Sex, der allerdings eine schmierige Angelegenheit ist, vor allem, weil mit Spucke dort nachgeholfen wird, wo es an Sekreten mangelt. Das konvergiert immerhin gut mit dem Vertrag.

Weiter im Film bahnt sich eine große Krise an: Nach 20 Minuten konfrontiert Stormy ihren Ehemann mit der Tatsache, dass die beiden zu wenig Sex haben, weil er immer so lange arbeitet. Der Mann wird böse und geht ins Büro. Kurz danach stellt sie fest: Er hat eine Affäre. Die Beweise sind ähnlich überzeugend wie die im Trump / Stormy-Drama – sie fand eine Streichholzschachtel ­eines Etablissements, auf dem er die Nummer einer Frau notiert hatte. Zeit also, ihn zu überführen. Eine ihrer Freundinnen schlägt vor, eine Prostituierte als Lockvogel zu verpflichten, und tatsächlich hat der Mann auch Sex mit ihr.