Welche Rolle spielten Joe und Hunter Biden in der Ukraine?

Korruption und Feindschaft

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Hunter Bidens Aufgabe war es, dem seit 2002 existierendem größten privaten Gaskonzern des Landes mit einer neuen Lobbystrategie zu mehr inter­nationaler Aufmerksamkeit zu verhelfen. Sein Vater vertrat die Ansicht, es liege kein Interessenskonflikt vor, da er sich in berufliche Angelegenheiten seines Sohnes nicht einmische.

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Doch die Arbeitsfelder der beiden liegen näher beieinander, als Biden vorgab. Während einer öffentlichen Veranstaltung im Jahr 2018 gab Joe ­Biden die Anekdote zum Besten, wie er im März 2016 den damaligen ukrai­nischen Präsidenten Petro Poroschenko genötigt habe, den Generalstaats­anwalt Wiktor Schokin abzusetzen. Andernfalls wollte Biden einen Milliardenkredit nicht ­genehmigen. In seiner Erzählung verdichtete er die Geschehnisse auf ein sechsstündiges Ultimatum, tatsächlich soll sich der Verhandlungsprozess bis dahin bereits über mehrere Monate hingezogen ­haben. Offiziell ging es um den auch vom Internationalen Währungsfonds vorgebrachten Vorwurf, Schokin habe Antikorruptionsermittlungen be­hindert.

Als Anlass für Bidens Ultimatum diente aber vermutlich auch ein privates Anliegen. Schokin, so berichtete das US-amerikanische Nachrichtenportal The Hill, habe kurz vor seiner Absetzung konkrete Ermittlungspläne unterbreitet. Darin sei von Zeugenvernehmungen und anderen Beweisaufnahmen die Rede gewesen, die sich gegen alle Vorstandsmitglieder der Burisma Holdings richteten, auch gegen Hunter Biden. Von drei eingeleiteten Ermittlungsverfahren wurden zwei eingestellt, nur in einer Straf­sache erfolgte eine Verurteilung eines nicht näher ­bezeichneten Angeklagten.

Bei einer der Ermittlungen ging es um regelmäßige Überweisungen im Zeitraum von Frühjahr 2014 bis Herbst 2015 von Burisma an die amerikanische Firma Rosemont Seneca Partners LLC, die Hunter Biden, dessen Geschäftspartner Devon Archer und Chris Heinz, dem Stiefsohn von John Kerry, gehört. Im Regelfall handelte es sich um ­einen Betrag von 166 000 US-Dollar, also eine Summe, die das von der Zeitung The New Yorker mit 50 000 US-Dollar bezifferte offizielle Gehalt von ­Biden junior bei weitem überstieg. Zudem sollen noch weitere Zahlungen ­erfolgt sein, die sich nicht eindeutig zuordnen ließen. Auf diese Weise sammelten sich auf Bidens und Archers Konten über drei Millionen Dollar. Einen Monat bevor Hunter Biden als Berater in den Vorstand von Burisma einzog, hatte dort bereits der Finanzexperte Devon ­Archer eine Posi­tion übernommen.

Auf der Website des Unternehmens taucht unter den nichtukrainischen Vorstandsmitgliedern auch Joseph Cofer Black auf, ein Terrorismusexperte und früherer Mitarbeiter des Geheimdienstes CIA.

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