Russlands Comeback als Großmacht

Ein blutiger Betrug

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Der „Deal“ Trumps mit Erdogan hat mit seinen fünf Tagen genau die Dauer gehabt, die Zeitspanne zu überbrücken, bis der türkische Präsident zu Putin nach Sotschi fährt. Die entscheidende Verteilung der syrischen Territorien, die Erdogan übergeben werden, wird dort stattfinden. Zeitgleich mit der amerikanischen Delegation verhandelte auch eine russische in Erdogans riesigem Palast in Ankara, wo die jeweiligen Syrienbeauftragten der Türkei und Rußlands vermutlich die wirklich fundamentalen Entscheidungen für das Gipfeltreffen in Sotschi vorbereitet haben.

Putin hat erreicht, was er wollte

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Was Putin dabei eigentlich umtreibt, ist eine offene Frage. Vielleicht liegt die Wahrheit einfach im Ausleben von Welt- und Machtpolitik. Das ist letztlich auch die Analyse Dimitri Trenins, des Chefs des Moskauer Carnegie Centers, der 2017 ein Bändchen zur russischen Eingreifen im Nahen Osten veröffentlicht hat. Trenin schreibt:

„Das militärische Engagement Russlands in Syrien betraf jedoch nicht nur oder etwa vor allem Syrien oder überhaupt den Nahen Osten. Es hatte ein globaleres Ziel. […] Moskau strebte ein Comeback in der globalen Arena als Großmacht an. […] Es ging nicht darum, Amerika aus der Region zu verdrängen –  Moskau hatte kein Interesse und keine Möglichkeit, die Lücke zu füllen –, sondern vielmehr darum, dass die USA Russland als gleichberechtigten Partner akzeptieren“.

Mittlerweile hat sich die Situation grundlegend verändert, wenn Putins Ziel die Gleichberechtigung mit den USA gewesen sein sollte, dann liegt dieses Ziel mittlerweile hinter ihm. Russland hat Amerika dafür noch nicht einmal verdrängen müssen. Die Optionen Russlands wären hierbei sowieso eher beschränkt gewesen. Nein, Barrack Obama hat Putin Platz gemacht, wo es nur ging. Und Donald Trump hat ihm Syrien nun praktisch förmlich übergeben. Das ist die Welt, die Bernard Henri Levy in seinem jüngsten Buch beschrieben hat, von einer abdankenden USA, die von ihren hungrigen Nachfolgern beerbt wird: „Es ist ein schrecklicher Betrug für die Demokratie, ein Albtraum für das kurdische Volk und war leider völlig vorhersehbar.“

Das grundlegende Problem der Region kann auch ein Putin nicht wegbomben

Wieder einmal verschreckt vom Wehklagen, Drohen und Entsetzen seine eigenen republikanischen Parteigänger, lässt Trump wohl 200 Soldaten diesseits der Grenze in Syrien, genauso wie der winzige Außenposten im syrischen Süden, in Al-Tanf, weiter gehalten wird. Hier geht es um die Ölfelder, die Assad dringend bräuchte, und dort um das iranische Überlandimperium zwischen Bagdad und Beirut, das der Auslandschef der Revolutionsgardisten, Qasem Soleimani, gerade öffentlich gefeiert hat. Die verbleibenden US-Soldaten sind Nadelstiche dagegen, aber viel mehr ist das auch nicht mehr.