Von Bienen und Schmetterlingen – die Boxkolumne

König Fußball, Knappe Boxen

Deutsche Boxställe wollen den Betrieb wieder aufnehmen
Kolumne Von

Die Saisonfortsetzung im deutschen Profifußball weckt Begehrlichkeiten. »Dass die Fußballer schon trainieren dürfen, finde ich gegenüber den anderen Sportarten sehr ungerecht«, beschwerte sich der ehemalige WBA- und WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht, Jürgen Brähmer, gegenüber der BZ. »Was für den Fußball erlaubt ist, sollte für alle Sportarten und Olympiastützpunkte gelten«, forderte der Boxer und Trainer, der in Schwerin ein neues Box-Gym betreibt, in das er mehrere Millionen Euro investiert hat.

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Derzeit kann Brähmer dank einer Ausnahmeregelung mit einem Boxer trainieren. Kostendeckend ist das nicht. Brähmer plant deshalb eine Veranstaltung ohne Zuschauer, die als Live-stream im Internet übertragen werden soll. Ob dafür bald die Genehmigung erteilt wird, ist völlig offen. Die durch die regional unterschiedlichen Beschränkungen entstandene Verzerrung des Wettbewerbs wird deutlich, wenn man in die Hauptstadt schaut. Seit dem 27. April dürfen in Berlin – ebenfalls mit einer Sondergenehmigung – die Profis des Boxstalls Agon, als erste Boxer in Deutschland, wieder gemeinsam trainieren. Die zuständige Senatsbehörde erlaubte das Training in Kleingruppen bis zu vier Athleten. Der beim SES-Boxstall unter Vertrag stehende Intercontinental Champion der WBO im Supermittelgewicht aus Berlin, Stefan Härtel, musste dagegen im heimischen Keller einen Trainingsbereich einrichten, um sich fit zu halten. Brähmer hoffte vor einigen Wochen noch, Ende Mai seinen IBF-Interconti-Titel verteidigen zu können. Doch bisher versuchte er vergeblich, eine Erlaubnis für seinen Kampf zu erhalten.

Ein kleiner Trost könnte ihm sein, dass seine individuellen Freiheiten nicht von solchen Einschränkungen betroffen sind, wie sie seinem Sportsfreund Felix Sturm drohen. Das Kölner Landgericht verurteilte den ehemaligen Weltmeister verschiedener Boxverbände im Mittel- und Supermittelgewicht Ende April wegen Steuerhinterziehung, Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz und Körperverletzung zu einer Haftstrafe von drei Jahren. Kurz nach Verkündung des Urteils twitterte der 41jährige: »Weiter geht’s. Ab Montag geht die Vorbereitung wieder los. Kampfdatum, gegen wen und wo ich boxen werde, werden wir schnellstmöglich bekannt geben.« Sturm hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.